Apropos... Tannhäuser
Frau Michael, mit welcher der beiden «Tannhäuser»-Frauen können Sie sich eher identifizieren?
Die Venus habe ich schon oft gesungen, aber ich hatte dabei seltsamerweise nie das Gefühl, diese Figur auch menschlich zu begreifen. Das passiert erst jetzt: Seit ich die Elisabeth studiere, merke ich, dass beide Figuren in Wirklichkeit eine einzige Frau sind, die nur in Tannhäusers Kopf in zwei Facetten aufgespalten wird. Und beide rebellieren dagegen!
Vokal sind diese zwei Facetten einer Frau allerdings reichlich weit voneinander entfernt.
Die Sängerinnen, die sich getraut haben, beide Rollen an einem Abend zu singen, kann man immer noch an zwei Händen abzählen.
Natürlich ist das eine Herausforderung. Aber die Venus verträgt einiges von der Weichheit der Elisabeth, und Elisabeth kann gut eine Portion Kraft und inneres Auftrumpfen vertragen. Wenn sie zum Beispiel singt «Heinrich, Heinrich, was tatest du mir an?», sollte das nicht nur nach stillem Leiden klingen, sondern eine innere Dringlichkeit besitzen.
Spielt es eine Rolle, welche Fassung des «Tannhäuser» man nimmt?
Sogar eine entscheidende. In der Dresdner Fassung ist die Venus fast durchgängig einen Halbton höher notiert. Das macht die ...
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