Geflüster im Kornfeld
Die Schreibmaschine ist schön. Weil sie Erinnerungen weckt an eine Zeit, in der Wörter noch gleichsam eingemeißelt wurden. Altes Modell, vielleicht eine Olympia aus den sechziger Jahren. Vor ihr Anna Samuil, in grauer Leinenhose und lindgrüner Bluse, im Schneidersitz, auf dem Boden hin- und herwogend wie ihre Seele. Soll ich? Soll ich nicht? Ja, sie soll.
Und man sieht ihr gern dabei zu, weil die Bildregie von Brian Large bei aller Nähe doch die nötige Distanz des zwar interessierten, aber nicht voyeuristischen Betrachters zur Figur belässt und damit etwas Wesentliches der Regie aufnimmt: Keine der Personen, die mitmachen in diesem Spiel von (nicht nur) tödlicher Langeweile und falsch gerichteter Leidenschaft, wird denunziert. Allen ist das Wichtigste geblieben: Würde.
Andrea Breth ist für ihre Salzburger Inszenierung von Tschaikowskys «Eugen Onegin» im quasi naturalistischen Bühnenbild von Martin Zehetgruber und mit den Kostümen von Silke Willrett viel gelobt, aber auch getadelt worden (siehe OW 9-10/2007). Sieht (und hört) man nun ein Jahr danach die Aufnahme dieses Abends auf DVD, will man Letzteres kaum verstehen. Die Lyrischen Szenen, wie der Komponist selbst seine Schöpfung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Diesem Gott darf man nicht trauen: Keine Heilsgestalt, sondern heimtückischer Anführer einer Sex-Sekte ist der Dionysos, der im bedrückten Theben auftaucht. Und der verheißungsvoll morgendämmernde Schluss von Hans Werner Henzes «Bassariden», seinem wohl bedeutendsten Bühnenwerk, markiert nichts anderes als den Wechsel von politischer Instabilität zur Grabesruhe...
Im August 1989, wenige Wochen nach Karajans Tod, fand das erste von der Universität Salzburg in Zusammenarbeit mit den Festspielen organisierte Symposion statt; das Thema waren die «Antiken Mythen im Musiktheater des 20. Jahrhunderts», Anlass war die «Elektra»-Produktion jenes Jahres. Das Konzept – eine Inszenierung oder ein Programmschwerpunkt der Festspiele als...
Man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, dass der indische, seit Langem in London lebende Bildhauer Anish Kapoor das Ausufernde, ja Uferlose liebt. Gegen Gigantomanie von Arbeiten wie «Marsyas» (London), «Syayambh» (München) oder «Cloud Gate» (Chicago) mutet das Gebilde, das Kapoor für die Neuinszenierung von Debussys «Pelléas et Mélisande» am Théâtre La Monnaie...
