Schockgefroren
Der Alptraum hat nichts Exotisches. Er nistet mitten unter uns. Im ganz normalen Wahnsinn des kleinbürgerlichen Alltags. Auf der Bühne: Leute von heute in lässigen Klamotten. Steril, aseptisch, schreiend kalt mutet die Behausung dieser geschlossenen Gesellschaft an – ein weiß gleißender Kubus. Ein paar Umzugskisten, billiges Polstermobiliar, zwei diagonal angeordnete Tische. Dazwischen ein riesiger Bilderrahmen, so leer wie der schockgefrorene Blick der überlebensgroßen nackten Barbiepuppe, die hinten auf der Bühne liegt, Schenkel und Scham schwarz beschmiert.
Über allem hängt ein grüner Magritte-Apfel. Ein schwebendes Ambiente zwischen Realismus, Surrealismus und Psycho-Symbolik.
Nicht nur Freud gehört in Franz Schrekers 1918 uraufgeführter Oper «Die Gezeichneten» zum geistigen Inventar. Auch Schopenhauers philosophischer Pessimismus, seine Abrechnung mit dem Fortschrittsdenken schwingen im Hintergrund mit. Wildes, skeptisches Denken, das Nietzsche und Wagner begierig aufgreifen sollten. Die Vorstellung, dass «jedes Tier die Beute und Nahrung eines andern wird», dass Instinkt und Trieb stets mächtiger sind als alle Vernunft – derlei ist keine Erfindung des komponierenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Umgang mit den sechs bruchstückhaft überlieferten Opern ist die heikelste Frage, die sich der Vivaldi-Edition des Labels Naïve stellt. Soll man nur die erhaltenen Teile einspielen und es bei Fragmenten belassen? Oder doch die verloren gegangenen Arien durch «Leihgaben» aus anderen Werken Vivaldis ergänzen, so wie es beispielsweise Jean-Claude Malgoire in seiner...
Als 19-jähriger Student hörte Ruggero Leoncavallo in Bologna Vorlesungen des Dichters Giosuè Carducci, der ihm die Welt der italienischen Renaissance nahebrachte, und machte die persönliche Bekanntschaft von Richard Wagner, der im Dezember desselben Jahres zu einer Aufführung seines «Rienzi» angereist war. Einige Biografen wollen wissen, dass Leoncavallo zum...
Dreieinhalb Jahre ist Argentiniens berühmtester Bau nun schon dicht. Seit am 1. November 2006 im legendären Teatro Colón das Licht ausging und die überfällige Rekonstruktion des maroden Hauses in die entscheidende Phase trat, prägten Architekten, Handwerker, Chaos und Streit das inwendige Bild. Immer wieder blieb die Restaurationsarbeit an den güldenen Ornamenten,...
