David gegen Goliath
Die Spielpläne deutschsprachiger Opernhäuser werden, wie eine Durchsicht des Jahrbuchs dieser Zeitschrift ergibt, bei durchschnittlich fünf bis sechs Neuproduktionen in der Regel nach einem leicht durchschaubaren Verfahren gemischt. Dabei wird das klassisch-romantische Kernrepertoire (Mozart bis Richard Strauss) um einen mehr oder weniger wagemutigen Ausrutscher ergänzt: Dazu gehören Opern des 17. und 18.
Jahrhunderts, Ausgrabungen und Klassiker der Moderne – Auswahlkriterien, die auch zusammenfallen können, wie jetzt bei Franz Schmidts «Notre Dame» in Dresden oder Franco Alfanos «Resurrezione» in Freiberg. Eine wirkliche Blutauffrischung findet allerdings in den seltensten Fällen statt. Meist handelt es sich, wie bei vielen Pflichturaufführungen, um Eintagsfliegen. Nicht einmal die seit Jahren da und dort auftauchenden Werke Franz Schrekers und Alexander von Zemlinskys haben wirklich Eingang ins Repertoire gefunden, und ob es sich bei der Wiederkehr von Erich Wolfgang Korngolds «Die tote Stadt» um mehr als nur eine Modewelle handelt, muss sich erst noch erweisen.
Das Urteil, das die Geschichte trifft, mag im einen oder anderen Fall hart sein; meist aber ist es, wenn schon ...
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Manfred Gurlitt (1890-1972) gehört zu den großen Pechvögeln der jüngeren Musikgeschichte. Sein «Wozzeck» wurde von Alban Bergs gleichnamiger Oper verdrängt, seine «Soldaten» blieben zum Zeitpunkt ihrer Wiederentdeckung im Schatten von Bernd Alois Zimmermanns ingeniöser Adaption, seine 1932 mit Max Brod erarbeitete «Nana» wurde von den Nazis verboten und erlebte...
Manchmal spielen die entscheidenden Szenen auf den Nebenbühnen. Zumal, wenn es um die Frage geht, was Oper und Musiktheater im Innersten zusammenhält. Wohin geht es mit der Kunst des singenden und spielenden Menschen, wenn das Kernrepertoire sich (Ausnahmen bestätigen die Regel) aus dem 18. und 19. Jahrhundert speist? Wenn sich der Guckkasten zu einem Museum...
