Schlechte neue Welt
Kein Zweifel ist möglich: Dieser Pinkerton strahlt die Präpotenz von Macht und Geld mit jeder Pore seines Seins aus. Seine Untergebenen der Marine maßregelt er knapp jenseits der Grenze der Erniedrigung, die Kopie des über den Heiratsvermittler Goro (Yannis Kalyvas) abgegebenen Eheversprechens zerreißt er direkt nach der Unterschrift in kleine Schnipsel, Suzukis Fächer zertrümmert er aus einer Laune heraus. Und da seine militärische Aufgabe in Japan kaum irgendwelche Herausforderungen zu bieten scheint, nimmt er zu jeder Tageszeit einen kräftigen Schluck aus der Whiskeyflasche.
Derart enthemmt, ist ihm längst der letzte Rest an Respekt vor der fremden Umwelt abhandengekommen, in der er für begrenzte Dienstzeit zu Gast ist: Als ihr Onkel Bonze (Petros Magoulas) seine Nichte Cio-Cio San dafür geißelt, den Glauben ihrer Vorväter durch ihre Hochzeit mit dem Eindringling aufgegeben zu haben, und sie folglich aus der Familie verstößt, haut ihm der frischgebackene Ehemann mal eben den traditionellen Kopfschmuck von Haupt. Schlechtere Manieren kann ein Leutnant der United States Navy kaum besitzen, transkulturelle Kompetenz ist ein Fremdwort für ihn.
Das Image der Stars and Stripes hat ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Krause
Über den Schluss von Wagners «Götterdämmerung» ist viel gerätselt worden. Der Komponist zog sich im orchestralen Nachspiel zurück auf ein Thema, das seit seinem ersten Auftreten im dritten Akt der «Walküre» nie mehr erklungen war. In der Regieanweisung ist von «Männern und Frauen» die Rede, die «in höchster Ergriffenheit» dem Brand Walhalls zuschauen – bislang...
Frau Garanča, wie viele Sprachen beherrschen Sie eigentlich?
Sechs.
Und warum sprechen Sie so bestechend gut Deutsch?
Deutsch habe ich in Deutschland gelernt. 1999, als ich ans Staatstheater Meiningen kam. Gezwungenermaßen, würde ich fast sagen. Da musste ich mir Deutsch beibringen. Nicht, dass ich gezwungenermaßen nach Meiningen kam! (lacht) Ich war ja sozusagen...
An wundersame Wasserwesen, an Undinen, kleine Meerjungfrauen, Mädchen mit Fischschwänzen können wir kaum mehr glauben. Er sei ihnen gut, bekannte noch der alte Wagner am Vorabend seines Todes, und lauschte den Klagen seiner Rheintöchter nach, aber das ist lange her. Was da webt und west, sind ja, wir wissen es, bloß männliche Projektionen. Die Wirklichkeit ist...
