Schlechte neue Welt
Kein Zweifel ist möglich: Dieser Pinkerton strahlt die Präpotenz von Macht und Geld mit jeder Pore seines Seins aus. Seine Untergebenen der Marine maßregelt er knapp jenseits der Grenze der Erniedrigung, die Kopie des über den Heiratsvermittler Goro (Yannis Kalyvas) abgegebenen Eheversprechens zerreißt er direkt nach der Unterschrift in kleine Schnipsel, Suzukis Fächer zertrümmert er aus einer Laune heraus. Und da seine militärische Aufgabe in Japan kaum irgendwelche Herausforderungen zu bieten scheint, nimmt er zu jeder Tageszeit einen kräftigen Schluck aus der Whiskeyflasche.
Derart enthemmt, ist ihm längst der letzte Rest an Respekt vor der fremden Umwelt abhandengekommen, in der er für begrenzte Dienstzeit zu Gast ist: Als ihr Onkel Bonze (Petros Magoulas) seine Nichte Cio-Cio San dafür geißelt, den Glauben ihrer Vorväter durch ihre Hochzeit mit dem Eindringling aufgegeben zu haben, und sie folglich aus der Familie verstößt, haut ihm der frischgebackene Ehemann mal eben den traditionellen Kopfschmuck von Haupt. Schlechtere Manieren kann ein Leutnant der United States Navy kaum besitzen, transkulturelle Kompetenz ist ein Fremdwort für ihn.
Das Image der Stars and Stripes hat ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Krause
Manche mögen’s … nicht: das Musical. Denn dort beschreiben die Protagonisten eins zu eins ihre Gefühle: «Ich bin traurig», «Ich bin verliebt», «Ja, ich kann es schaffen, wenn ich nur dran glaube!». In dem für die Deutsche Oper Berlin von Giorgio Battistelli neu komponierten «Il Teorema di Pasolini» singt jede Person auf der Bühne immer genau das, was sie gerade tut...
Die Musik von Olivier Messiaen ist … wie ein Kirchenfenster. Voller freudvoller Farben, aber auch hermetisch unterteilt, vom Heiligen Geist durchsprüht und manchmal unfassbar statisch und formelhaft. Der gläubige Katholik, Orgelvirtuose, Komponist, Lehrer und Hobby-Ornithologe verstand sein Musiktheaterwerk «Saint François d’Assise» sicher als sein Opus magnum....
Herr Scholl, frei nach Udo Jürgens: «Mit 55 Jahren …»
(lacht und singt) Mit 55 Jahren, da fängt das Leben an …
Fängt es womöglich für Sie als Bariton an?
Nun ja, der Bariton ist in meiner Kehle immer ein Fremdkörper gewesen. Ich habe im Kiedricher Knabenchor angefangen zu singen, dem zweitältesten Knabenchor Deutschlands, und meine Countertenorstimme ist die...
