Faszinierendes Fragment
Über den Schluss von Wagners «Götterdämmerung» ist viel gerätselt worden. Der Komponist zog sich im orchestralen Nachspiel zurück auf ein Thema, das seit seinem ersten Auftreten im dritten Akt der «Walküre» nie mehr erklungen war. In der Regieanweisung ist von «Männern und Frauen» die Rede, die «in höchster Ergriffenheit» dem Brand Walhalls zuschauen – bislang waren diese nur in eher unangenehmen Individuen wie Hunding oder Gunther oder als willfährige Masse Teil des Geschehens, aber nun sollen sie anscheinend Träger der weiteren Entwicklung sein.
Am Staatstheater Braunschweig wird man an dieser Stelle sehr konkret: Die aus allen Erdteilen und Ländern zusammengesetzte Ballett-Compagnie schreibt in den verschiedenen Schriften und Sprachen ihrer Mitglieder gute Wünsche und Vorstellungen einer besseren Welt auf die schwarzen Bühnenbild-Wände. Das «Zurück vom Ring!», das sonst Hagen den Rheintöchtern zuruft in einem letzten Versuch, die Macht den Nibelungen wiederzuerobern, rufen hier die Tänzerinnen und Tänzer, und es soll wohl bedeuten, dass die Macht selbst der einen Menschen über die anderen ein Ende haben soll.
Wagners offenen Schluss so explizit zu inszenieren, ist mutig – wie ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Peter Uehling
Entwürfe sind, im Leben wie in der Kunst, etwas Feines. Ihnen genügt der Vorschein des Vollendeten, die Aura der Andeutung; sie erlauben es, lustvoll mit Dingen zu jonglieren, fantasievoll zu fabulieren, sogar grenzenlos zu spekulieren – und das ohne den Zwang, die Ideen eins zu eins an die Realität anzupassen. Entwürfe bergen jenen Zauber, den Robert Musil in...
Der Bezirk Perm lebt von starken Kontrasten: Eines der größten Düngemittelwerke der Welt befindet sich unmittelbar neben ehemaligen Bergwerkssiedlungen; im Norden ragen die Uralberge auf, mit von der typisch sowjetischen Bauweise unberührten Dörfern; gleich in ihrer Nachbarschaft, inmitten verträumter Wälder, liegen Gefängnisse, an die sich Dissidenten aus früheren...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Im Orchestergraben zu weinen ist natürlich schwierig, aber als Zuschauer geht mir «Wotans Abschied» in der «Walküre» sehr nah.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Zermatt, wenn es genug Platz gäbe!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ein guter Teamgeist.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Sagen wir...
