Faszinierendes Fragment
Über den Schluss von Wagners «Götterdämmerung» ist viel gerätselt worden. Der Komponist zog sich im orchestralen Nachspiel zurück auf ein Thema, das seit seinem ersten Auftreten im dritten Akt der «Walküre» nie mehr erklungen war. In der Regieanweisung ist von «Männern und Frauen» die Rede, die «in höchster Ergriffenheit» dem Brand Walhalls zuschauen – bislang waren diese nur in eher unangenehmen Individuen wie Hunding oder Gunther oder als willfährige Masse Teil des Geschehens, aber nun sollen sie anscheinend Träger der weiteren Entwicklung sein.
Am Staatstheater Braunschweig wird man an dieser Stelle sehr konkret: Die aus allen Erdteilen und Ländern zusammengesetzte Ballett-Compagnie schreibt in den verschiedenen Schriften und Sprachen ihrer Mitglieder gute Wünsche und Vorstellungen einer besseren Welt auf die schwarzen Bühnenbild-Wände. Das «Zurück vom Ring!», das sonst Hagen den Rheintöchtern zuruft in einem letzten Versuch, die Macht den Nibelungen wiederzuerobern, rufen hier die Tänzerinnen und Tänzer, und es soll wohl bedeuten, dass die Macht selbst der einen Menschen über die anderen ein Ende haben soll.
Wagners offenen Schluss so explizit zu inszenieren, ist mutig – wie ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Peter Uehling
Maria Callas ist ein Mythos und im öffentlichen Bewusstsein zweifelsohne die bekannteste, wirkungsmächtigste Sängerin des 20. Jahrhunderts. Eva Gesine Baur hat sich mit ihrer zum 100. Geburtstag erschienenen Biografie das hohe Ziel gesetzt, «die eigentliche Callas auszugraben». Gleich im Vorspann beklagt sie, «dass die Neugier für Maria Callas als Frau das...
Ganz Berlin witzelte über die vielen Posaunen und über den großen Elefanten in den Prachtaufzügen dieser Oper […]. Die Enthusiasten aber riefen: ‹Hosianna! Spontini ist selbst ein musikalischer Elefant! Er ist ein Posaunenengel!›» Mit diesen Worten zeichnete Heinrich Heine 1822 anlässlich einer Aufführung von Spontinis «Olympie» das (bis heute nicht vollends...
Wir sind am Schluss jetzt von dem ganzen «Ring».
Wir sind am Rhein – und nicht in Paderborn.
Es singt und singt halt jeweils eine Norn.
Man fleht, oh lieber Gott: «Mach aus das Ding!»
Doch er – der Richi – spinnt erst noch Intrigen,
Die uns nun wirklich nicht mehr int’ressieren.
Die Notdurft tut alsbald schwer zu pressieren,
Doch sitzt man fest und will sich schier...
