Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung
Puccini muss erst einmal warten. Denn um ihn ging es bei der Premiere des «Trittico» an der Deutschen Oper Berlin zunächst gar nicht. Im Vordergrund stand das gesellschaftliche Ereignis: So viel Prominenz aus Politik und Kultur findet sich in der Oper nur selten ein. Sogar der Bundespräsident hatte sich die Ehre gegeben. Es ging nicht zuletzt um die Frage, ob die siebenundzwanzigjährige Wagner-Urenkelin Katharina geeignet sei, in absehbarer Zeit die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang in der Bayreuther Festspielleitung zu übernehmen.
Seit sie dafür im Gespräch ist, werden in den Feuilletons die Messer gewetzt, und so mancher Kollege dürfte an diesem Abend seine Kritik schon fertig in die Vorstellung gebracht haben. Bekanntlich stellt Puccinis dreiteiliger Schwanengesang der italienischen Oper an einen Regisseur so hohe handwerkliche und intellektuelle Anforderungen, dass sich Dilettantismus dabei sofort entlarvt. Davon kann bei Katharina Wagners Berliner Arbeit – es war ihre vierte Inszenierung – aber keine Rede sein. Ihre Auseinandersetzung mit den drei Stücken war gründlich und kompetent und führte zu diskussionswürdigen Lösungen.
Zunächst einmal stellte sie die seit der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt kein Glück auf Erden. Aber zumindest einen Trost (in) der Musik. Das ist die gemeinsame Botschaft der beiden Mozart-Premieren, die Hannovers Staatsoper pünktlich zum Jubiläum präsentiert. Zwar handelt es sich bei «Così fan tutte» und bei «Lucio Silla» um zwei Opern, die ein auskomponiertes Glücksfinale haben, doch das heißt nicht viel in unserer Zeit.
Bei...
Johannisnacht – mit dem nervösen Herzschlag der Pauken und unortbarem Summen zeichnet Philippe Boesmans in seiner Kammeroper «Julie» die subtile Spannung dieser Nacht der Lizenzen und der Triebe. Es darf geträumt werden, und Boesmans gönnt der Köchin Christine unterm Holderbaum ein melodisch fortziehendes Sehnsuchtsmotiv, das noch wiederholt durch die Instrumente...
Es war das Jahr 1944. Ich selbst, mit fünfundzwanzig Jahren äußerst musikinteressiert und zwar hauptsächlich an Opern, erhielt meine erste Anstellung bei einer großen Zeitung in Stockholm. Der Musikkritiker des Blattes hatte den guten Einfall, sich für «Hausmusik» einzusetzen. Zwei junge Damen sollten auftreten: eine Gesangschülerin, sechsundzwanzig, und ihre...
