Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung

Katharina Wagner inszeniert an der Deutschen Oper Berlin Puccinis «Trittico»

Opernwelt - Logo

Puccini muss erst einmal warten. Denn um ihn ging es bei der Premiere des «Trittico» an der Deutschen Oper Berlin zunächst gar nicht. Im Vordergrund stand das gesellschaftliche Ereignis: So viel Prominenz aus Politik und Kultur findet sich in der Oper nur selten ein. Sogar der Bundespräsident hatte sich die Ehre gegeben. Es ging nicht zuletzt um die Frage, ob die sieben­und­zwanzigjäh­rige Wagner-Urenkelin Katharina geeignet sei, in absehbarer Zeit die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang in der Bayreuther Fest­spiel­leitung zu übernehmen.

Seit sie dafür im Gespräch ist, werden in den Feuilletons die Messer gewetzt, und so mancher Kollege dürfte an diesem Abend seine Kritik schon fertig in die Vorstellung gebracht haben. Bekanntlich stellt Puccinis dreiteiliger Schwanen­gesang der italienischen Oper an einen Regisseur so hohe handwerk­liche und intellektuelle Anforderungen, dass sich Dilettantismus dabei sofort entlarvt. Davon kann bei Katharina Wagners Berliner Arbeit – es war ihre vierte In­sze­nierung – aber keine Rede sein. Ihre Auseinandersetzung mit den drei Stü­­cken war gründlich und kompetent und führte zu diskussionswürdigen Lösungen.
Zunächst einmal stellte sie die seit der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Crux mit den letzten Dingen

Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaf­tigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in...

Orlando

Wenn Zürich jetzt Händels «Orlando» von 1733 herausgebracht hat, wünscht man sich, dass Alexander Pereira die beiden anderen Händel-Opern nach Ariost, nämlich «Ariodante» (1734) und als Wie­deraufnahme «Alcina» (1735) folgen lassen möge, um alle drei dann zu einer Trilogie zusammenzuschließen (nach dem Vorbild der Zürcher römischen «Kaiser»-Trilogie mit Monteverdis...

Mozart von hinten

Hätten Sie erraten, mit welcher Oper Cagliari zur Sai­son­eröffnung den Jahresregenten Mozart feiert? Unwahrscheinlich. Es ist eine italienische Erstaufführung: der «Chérubin» von Jules Massenet, uraufgeführt 1905 in der Opéra von Monte Carlo. Eine verdienstvolle Ausgrabung, zumal in einer so guten und witzigen Wiedergabe.
Es ist eine Mozart-Ehrung von hinten...