Verwirrte Gefühle
Kaum vorstellbar: eine Aufführung des «Figaro» mit deutschen Dialogen oder die «Entführung» mit Secco-Rezitativen auf Italienisch. Im Falle von Mozarts «La finta giardiniera» gibt es extreme Fassungsunterschiede: Für Augsburg (1780) hat Mozart das Stück als Singspiel mit gesprochenen deutschen Texten autorisiert. Dass beide Versionen freilich nur zwei Seiten einer Medaille darstellen, konnte man nun bei der Mozart-Woche Salzburg und im Münchner Prinzregententheater erleben.
Doris Dörrie verlegt die «Finta giardiniera» (ihre zweite Mozart-Inszenierung nach dem Debüt mit «Così» in Berlin 2001) aus einem Rokokoanwesen samt Park in ein Gartencenter. Dort hat alles seinen Preis, dort etikettieren, registrieren und kontrollieren junge, smarte Verkäufer wie in Trance. Hier entwickeln aber auch die überlebensgroßen Pflanzen aus Plastik ein Eigenleben, korrespondieren Blüten, Bäume und tanzende Marmorstatuen mit den Sängern (Bühnenbild und Kostüme: Bernd Lepel). Und da verschlingt schon mal die riesige Fleisch fressende «Venus» für stolze 985 Euro einen ganzen Mann, der arg lädiert, blutüberströmt und mit zerfetzter Kleidung erst viel später wieder ausgespuckt wird.
Das ist die späte ...
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