Bitte keine Experimente
Es sind minus siebenundzwanzig Grad in Helsinki, der Schnee fällt schnell und schwer. Lange hält’s keiner draußen aus, schon gar nicht in Abendkleidung. Weil die Schneeberge empfindliches Schuhwerk ruinieren würden, hat die Nationaloper vorgesorgt: Schuhtaschen für jeden! An der Garderobe sitzen, hocken, stehen also rund zwölfhundert Menschen, um die Schuhe zu wechseln. Und: Das halbe Orchester ist bei der Anfahrt stecken geblieben. Also Warten auf «Die Frau ohne Schatten». Das Stück ist noch nie in Helsinki gespielt worden.
Auch ein Strauss-Festival hat es noch nie in Finnland gegeben.
Für «Die Frau ohne Schatten» ist Intendant Erkki Korhonen auf Nummer sicher gegangen. Bitte keine Experimente! Ein Märchen mit grandioser Musik sollte es sein. Michael Hampe hat sich an die Vorhabe gehalten. Auftritt, Abgang, dazwischen: Singen. Hans Schavernoch taucht die Geisterwelt in Nachtblau, verpasst der Färberwelt fahle, enge Gassen und armselige Behausungen einer orientalischen Metropole. Prospekte, Projektionen, bekannte Ästhetik, gemischte Gefühle.
Doch die Szene überstrahlt eine Sängerin: Kirsi Tiihonen als Färberin. Die finnische Sopranistin singt die Partie fast lyrisch, leicht, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Puccini muss erst einmal warten. Denn um ihn ging es bei der Premiere des «Trittico» an der Deutschen Oper Berlin zunächst gar nicht. Im Vordergrund stand das gesellschaftliche Ereignis: So viel Prominenz aus Politik und Kultur findet sich in der Oper nur selten ein. Sogar der Bundespräsident hatte sich die Ehre gegeben. Es ging nicht zuletzt um die Frage, ob die...
Es war das Jahr 1944. Ich selbst, mit fünfundzwanzig Jahren äußerst musikinteressiert und zwar hauptsächlich an Opern, erhielt meine erste Anstellung bei einer großen Zeitung in Stockholm. Der Musikkritiker des Blattes hatte den guten Einfall, sich für «Hausmusik» einzusetzen. Zwei junge Damen sollten auftreten: eine Gesangschülerin, sechsundzwanzig, und ihre...
Am Anfang war Astrid Varnay. Ihr verdankte ich den persönlichen Kontakt zu Birgit Nilsson. Ich wollte mit der großen schwedischen Sopranistin über ihr Leben und ihre Kunst reden. Sie hatte sich schon weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, gab nur noch selten Interviews. Ein lapidares Fax aus Schweden erreichte mich, einen Tag nachdem ihre Freundin Astrid...
