Schatzsuche

Die Arbeit des Palazzetto Bru Zane zeitigt viele Früchte. Eine davon, Charles Lecocqs «La fille de Madame Angot», war nun an der Opéra Comique zu erleben

Opernwelt - Logo

Kurz ist er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber intensiv. Und voller Widerstandsgeist. Verantwortlich dafür ist insbesondere jene junge Pariserin mit dem charmant-altmodischen Vornamen Clairette, die man in den Gassen rund um das Quartier des Halles gut kennt und ihres couragierten Charakters wegen schätzt, die aber über die Grenzen Frankreichs kaum bekannt sein dürfte. Und auch ihr Schöpfer ist vielen Opernliebhabern wohl kaum ein Begriff.

Während Jacques Offenbach und seine Opéra-bouffes auch jenseits des Rheins bis heute bewundert werden, war seinem Zeitgenossen Charles Lecocq ein weniger günstiges Schicksal als Komponist beschieden: Er geriet in Vergessenheit.

An diesem milden Herbstabend in der Zauberstadt ersteht Lecocq gleichsam wieder auf – als Schöpfer der Operette «La fille de Madame Angot», einer Opéra-comique in drei Akten. Bei ihrer Uraufführung im Dezember 1872 in den Fantaisies-Parisiennes war sie ein Sensationserfolg mit mehr als 500 Folgevorstellungen. Nun ist sie zu Gast in der Opéra Comique, in einer flott-frivolen, frechen, mit revolutionärem Esprit gesegneten Inszenierung des Lyoneser Intendanten Richard Brunel. Französische Regisseure beherrschen die leichte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Märchenstunden

Authentizität ist ein schwieriger Begriff in kulturellem Kontext. Wagners «Fliegender Holländer» am Wasser vor vorübersegelnden Schiffen, «Die Meistersinger von Nürnberg» unter der Nürnberger Kaiserburg, Rossinis «Barbier» nicht nur von Sevilla, sondern sogar in Sevilla … - als Marketinginstrument mag das immerhin gelegentlich funktioniert haben. Oder soll es doch...

Schwarze Larven

Warten, schon während des Einlasses. Zwei ältere Frauen vorn, ins Publikum blickend, zwei jüngere hinten, abgewandt auf den Prospekt einer nächtlichen Stadt schauend. «Nach Moskau, nach Moskau!», würden sie wohl rufen, wären sie Tschechows drei Schwestern und nicht nur die beiden aus Tschaikowskys «Eugen Onegin». Doch in Roland Schwabs Inszenierung am Staatstheater...

Spanisches Schäferstündchen

Vor 20 Jahren hat François-Xavier Roth sein französisches Projekt-Orchester «Les Siècles» gegründet und damit den Blick der authentischen Aufführungspraxis weit ins vorige Jahrhundert ausgedehnt. Anders als die Barock-Ensembles spielen die Musiker nicht auf nachgebauten Instrumenten, sondern auf Originalen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, für die...