Märchenstunden
Authentizität ist ein schwieriger Begriff in kulturellem Kontext. Wagners «Fliegender Holländer» am Wasser vor vorübersegelnden Schiffen, «Die Meistersinger von Nürnberg» unter der Nürnberger Kaiserburg, Rossinis «Barbier» nicht nur von Sevilla, sondern sogar in Sevilla … - als Marketinginstrument mag das immerhin gelegentlich funktioniert haben.
Oder soll es doch die Aufführung nicht am Ort der Handlung, sondern gleich der Uraufführung sein, wo möglichst noch originale Vorhänge für Rührung sorgen? Deutlich häufiger lässt sich dem Instrumentarium der Zeit begegnen, inzwischen sogar bei Opern des 19. Jahrhunderts. Etwa wenn Concerto Köln im Verein mit dem Dresdner Festspielorchester, dirigiert von Kent Nagano, derzeit den «Ring» auf (teilweise nachgebauten) Instrumenten aus Wagners akustischem Dunstkreis realisiert. Während bei Orchestern mit modernem Instrumentarium in Rezensionen wenigstens gern mal vom «alten warmen Klang» (Staatskapelle Berlin) oder einem «authentischen Schostakowitsch-Sound» (Berliner Konzerthausorchester) die Rede ist.
Schon vor einigen Jahren hatte «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» in einer Inszenierung des damaligen Meininger Intendanten Ansgar ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Arno Lücker
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Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten. Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch...
Es ist kurz vor eins, die Sonne bricht sich soeben durch die Wolken (aber das wissen wir erst später), da geschieht das Unumgängliche: der berühmte Kafka-Moment. Tränen auf der Leinwand, Tränen im Jeremy Hynes Theatre. Man kann weder das eine noch das andere verhindern. Aber was ist das auch für ein Film, dessen Ende so berührend, dessen Geschichte aber so grausam...
