Märchenstunden
Authentizität ist ein schwieriger Begriff in kulturellem Kontext. Wagners «Fliegender Holländer» am Wasser vor vorübersegelnden Schiffen, «Die Meistersinger von Nürnberg» unter der Nürnberger Kaiserburg, Rossinis «Barbier» nicht nur von Sevilla, sondern sogar in Sevilla … - als Marketinginstrument mag das immerhin gelegentlich funktioniert haben.
Oder soll es doch die Aufführung nicht am Ort der Handlung, sondern gleich der Uraufführung sein, wo möglichst noch originale Vorhänge für Rührung sorgen? Deutlich häufiger lässt sich dem Instrumentarium der Zeit begegnen, inzwischen sogar bei Opern des 19. Jahrhunderts. Etwa wenn Concerto Köln im Verein mit dem Dresdner Festspielorchester, dirigiert von Kent Nagano, derzeit den «Ring» auf (teilweise nachgebauten) Instrumenten aus Wagners akustischem Dunstkreis realisiert. Während bei Orchestern mit modernem Instrumentarium in Rezensionen wenigstens gern mal vom «alten warmen Klang» (Staatskapelle Berlin) oder einem «authentischen Schostakowitsch-Sound» (Berliner Konzerthausorchester) die Rede ist.
Schon vor einigen Jahren hatte «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» in einer Inszenierung des damaligen Meininger Intendanten Ansgar ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Arno Lücker
Was Wahrheit sei? Wirklichkeit? Nicht erst Friedrich Nietzsche war felsenfest davon überzeugt, dass es keine Fakten gebe, sondern nur Interpretationen. Auch andere Denker, Dichter wie Philosophen, hatten ihre Zweifel an der normativen Kraft des Realen. Realität, das war immer auch etwas, das sich ein jeder für seine eigenen Zwecke zurechtzimmerte. Was das bedeutet,...
Seine letzte Oper sollte eine lustige sein – so der ausdrückliche Wunsch des belgischen Komponisten Philippe Boesmans, den er Freunden im Februar 2022, rund zwei Monate vor seinem Tod, mitteilte. Nach all jenen Tragödien, die er bis dahin geschrieben habe, vor allem nach «Julie» auf Strindberg, wolle er mit totaler Leichtigkeit (légèreté) und Nachlässigkeit (insouc...
Eigentlich ist die Causa sternenklar. Franz Schubert komponierte seine mehr als 600 Lieder für Stimme und Klavier. Dennoch fühlten und fühlen sich zahlreiche Komponisten und Arrangeure nach seinem Dahinscheiden dazu berufen, die Originalwerke zu orchestrieren – die Liste reicht von Johannes Brahms und Jacques Offenbach über Max Reger, Benjamin Britten und Anton...
