Schafft Neues!
«Ich sitze in dem kleinsten Zimmer in meinem Hause. Ich habe Ihre Kritik vor mir. Im nächsten Augenblick wird sie hinter mir sein!»
Eigentlich, dachte ich, kann so ein Zitat nur von jemandem wie Mark Twain stammen. Barbra Streisand hat es fälschlicherweise George Bernard Shaw zugeschrieben. Umso erfreulicher war für mich die Entdeckung, dass hier der asketische Fugenmeister Max Reger spricht.
Süße Rache dieser Art ist heute keine praktische Option mehr – noch ein Indiz für die kulturelle Verarmung durch das Internet! In Deutschland mögen die Tugenden der Aufklärung noch hochgehalten werden, aber in vielen anderen Ländern muss man sich schon gehörig anstrengen, um in der Tagespresse überhaupt noch Opernkritiken zu finden.
Was gut ist: Als reines Informationsmedium ist das Rezensionswesen heute überflüssig. Was gerade los ist, kann das Publikum problemlos im Netz erfahren – um sodann in dem geistlosen Geschwätz abzutauchen, das in den likes und comments siedelt.
Dem Kritiker bleibt die Möglichkeit, in der Fülle des Geschehens Zusammenhänge, Trends oder Bewegungen auszumachen, die der einzelne, stets auf den jeweiligen Gegenstand konzentrierte Künstler womöglich gar nicht sieht. Aber ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wozu Musikkritik?, Seite 111
von David Pountney
Die Musikkritik sieht sich heute selbstverständlich denselben Problemen gegenüber wie die von ihr besprochene Musik selbst, denn in einer formatierten Welt des like und dislike hat es der Wunsch nach Differenzierung schwer. Die Verschiebung jedweden Urteils einer unbegrenzten Anzahl von Richtern in die öffentlichen Medien hat eben nicht nur Vorteile; ein Nachteil...
Als Wolfgang Amadeus Mozart 1790 zur Kaiser-Krönung Leopolds II. nach Frankfurt reiste, erhoffte er sich über die Anerkennung hinaus auch finanziellen Gewinn, doch das Ergebnis war «in betreff des Geldes mager». Und Mozart, der immerhin die Klavierkonzerte KV 459 und 573 gespielt hatte, reagierte verärgert: «Übrigens sind die Leute hier noch mehr Pfennigfuchser als...
Sie kennen den Betrieb beide wie ihre eigene Westentasche. Hier Aviel Cahn, der während seiner Zeit als Intendant die Opera Vlaanderen in Antwerpen und Gent (2009–2019) mit mutiger Stückauswahl und ambitionierten Regiehandschriften international wettbewerbstauglich gemacht hat und dieses Prinzip seit Beginn der Spielzeit 2019/20 auch am (frisch renovierten) Grand...
