Sandkastenspiele
Auch wenn jeder Opernfreund Cherubinis «Médée» in der Interpretation von Maria Callas kennt – man hat doch relativ selten die Gelegenheit, dem Werk auf der Bühne zu begegnen. Noch dazu in der französischen Originalfassung! Für ein kleines Theater wie in Ulm erfordert es Neugier und Mut, das auf den Spielplan zu setzen. Ungewohntes Repertoire verträgt, zumal in der Provinz, Behutsamkeit im Szenischen: Der mit dem Haus vertraute Gastregisseur Igor Folwill setzte auf einen (auch in der Choreografie) klassizistischen Darstellungsstil, der mit vorsichtigen Modernismen verfremdet wurde.
«Jason, ich fordere meine Kinder», steht wie mit Blut geschrieben auf einem transparenten Zwischenvorhang. Und diese Kinder sieht man schon beim Einlass in einem großen Sandkasten spielen, der sich im Zentrum der Bühne (Hartmut Holz) befindet und durch Flutlicht-Scheinwerfer wie eine Arena angestrahlt ist. Was sich dann drei Akte lang rund um diesen Sandkasten abspielt, liegt auch näher beim Kindertheater als bei der antiken Tragödie. Man kann sie nicht wirklich ernst nehmen, die Herren, die da furchtbare Drohungen gegen Médée ausstoßen: den alternden und albern herumtänzelnden Playboy Jason und den nur ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Ekkehard Pluta
Als Donizettis «Don Pasquale» 1843 uraufgeführt wurde, kam dem Rezensenten der «Leipziger Illustrirten Zeitung» die äußerliche Handlung reichlich abgestanden vor. Der alte Geizhals Don Pasquale, der sich eine junge Frau angelt, um dann unter ihren Pantoffel gestellt zu werden, sei der «Schatten eines längst Abgestorbenen, den man vergessen hat zu beerdigen, und der...
Ein falscher Fuffziger, dieser Siegfried. Zwar erklärt er, «ihrem Manne gehorchte Brünnhild eine volle bräutliche Nacht», doch als Gutrune eifersüchtig zu bedenken gibt, dass er ja selbst in Gestalt dieses Mannes Gunther um die Walküre geworben hatte, antwortet er kryptisch: «So nah – war Brünnhild ihm fern». Banal gesagt: «Okay, Honey, ich hab mit ihr geschlafen –...
«Tut wu-a yeri enti / Waa wau yeri wenenet.» Schon die Sprache schafft Distanz. Echnaton, der Pharao mit den radikalen Ideen und der unstillbaren Sehnsucht nach dem Licht, preist den Schöpfer der Dinge und des Lebens, der die Menschen mit seinen Augen und die Götter mit seinem Mund schuf, (meist) in altägyptischer Sprache: «Perer en rem em yertif / Cheper netscheru...
