Sag leise Servus!
Es ist Juni in Wien, und der Himmel über Kakaniens Kapitale straft die Wirklichkeit Lügen. Kornblumenblau ist er, dabei müssten doch die Götter im Olymp weinen. Die Premiere mit den Einaktern «Lady Magnesia» von Mieczysław Weinberg und «Zweimal Alexander» von Bohuslav Martinů ist die vorerst letzte Produktion der Kammeroper Wien. So haben es die politisch Verantwortlichen der schwer verschuldeten Stadt beschlossen. Wie es heißt, sollen mit der Schließung des Hauses fünf Millionen Euro eingespart werden.
Das ist, mit Verlaub, bei einem Gesamtdefizit von 15 Milliarden Euro nicht einmal ein Tropfen, der auf den Stein hinab träufelt. Es ist eine Farce und weiter nichts.
Doch die Verhältnisse, sie sind so, und daran konnten auch mannigfaltige Proteste aus der Wiener Kulturszene nichts ändern. Wieder einmal wird deutlich, dass Kunst für die Regierenden ein Nice-to-have zu sein scheint, mehr nicht. Das ist in Wien so, aber das ist auch in anderen europäischen Städten kaum anders, was ein Blick nach Berlin, Paris oder London verrät. Leise-ironisch kommentieren kann man dergleichen eigentlich nur mit jenem Satz, den Antonio in Shakespeares «Kaufmann von Venedig» zu Beginn dieser tragischen ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Jürgen Otten
Ein Drama ist’s, ein gar schauerliches dazu. Und gleich in der ersten Strophe von Heines Ballade «Ritter Olaf» werden die katastrophischen Dimensionen dessen, was danach geschieht, schon in Umrissen deutlich: «Vor dem Dome stehn zwei Männer, / Tragen beide rote Röcke, / Und der Eine ist der König / Und der Henker ist der andere.» Und die dritte, möchte man...
Es ist gefühlt schon eine Ewigkeit her. Damals, im März 2020, als der erste Lockdown bundesweit nahezu einheitlich das gesamte Kulturleben lahmlegte, wurde plötzlich klar, wie vulnerabel ein Betrieb ist, der davon lebt, dass Menschen auf engem Raum miteinander und füreinander spielen. Und je höher die Infektionszahlen stiegen, desto größer wurde die Angst, dass...
Von Walter Benjamin stammt die scharfsinnige, nur bedingt anfechtbare These, Schicksal und Charakter würden einander ausschließen: «Wo das Schicksal herrscht, sei, so der Philosoph, «für Charaktere, die standhalten, kein Platz, und wo sich Charaktere ungebrochen behaupten, bleibt das Schicksal fern.» In den Opern Verdis ist meist Ersteres der Fall, wobei man...
