Doppelnatur

Angefangen hat sie als Mezzo. Seit einigen Jahren schon verkörpert Magdalena Anna Hofmann sehr gekonnt verschiedene hochdramatische Sopranpartien insbesondere des deutschen Fachs. Porträt einer Sängerin, die weit mehr kann, als nur schöne Töne zu produzieren

Opernwelt - Logo

Draußen vor der Tür, im Park, plappert ein ganzes Vogelvolk, drinnen, in der Kantine der Deutschen Oper am Rhein, klappern nur die Gläser und Flaschen. Für die hehre Kunst hegt der dort wirkende Mitarbeiter des Hauses, zumindest dem Anschein nach, nur sehr bedingt tiefere Gefühle, aber was soll er tun, irgendjemand muss ja den Kram vom Vorabend wegräumen.

Selbst als Magdalena Anna Hofmann in den Raum hineinwirbelt wie eine strahlende Windsbraut, lässt sich der gute Mann nicht irritieren; vielleicht kennt er die Dame aber auch nicht, die gut zwölf Stunden zuvor, als Strauss’ «Elektra», das Haus in der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Allee zum Zittern gebracht hat mit ihrem biegsamen, bergseeklaren, bruchlos schönen Sopran und nun bereit ist für ein Gespräch über die Kunst und das Leben, Gott und die Welt, die Liebe (und das Zweifeln an ihr) sowie selbstredend auch über die naheliegende Frage, wie das so ist, wenn man fast ausnahmslos, Abend für Abend, die großen Partien des hochdramatischen Fachs singt.

Die Sängerin, deren Diventum beträchtlich unter null liegt (ja, so etwas gibt es tatsächlich von Zeit zu Zeit!), hat dazu eine äußerst gesunde, will sagen: natürliche Einstellung. Sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2026
Rubrik: Porträt, Seite 70
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Geschichten aus Tschirikistan

Alle Jahre wieder zeigt sich ein Gespenst auf deutschsprachigen Bühnen: Lortzings «Zar und Zimmermann». Einst ebenso oft gezeigt wie der «Freischütz» und «Fidelio», geistert das Stück nur noch als phantom of the opera durchs Land, omniprominentes Mitglied einer scheintoten Gattung namens Spieloper.

Der Mentalitätswandel, schon klar. Und ein Kulturverlust. Richard...

Zauber ohne Tricks

Die Zauberin bedarf keines illusionistischen Blendwerks. Keiner üppig wuchernden Zauberinsel, keines Tricks, abgelegte Liebhaber in Tiere zu verwandeln. Alcina selbst ist der Zauber. Ihre Magie leitet sich aus der gewinnenden Offenheit ihres Liebens, der Echtheit ihrer Empfindungen, der Leichtigkeit und Anmut ihres Seins her. Die Zauberin erschuf eine Welt, deren...

Auf der Suche nach einer neuen Identität

Das Diaghilev-Festival in Perm steht unter dem unerbittlichen Zwang, sich stets an der eigenen Vergangenheit messen zu lassen. Besucher wie Akteure zehren von Erinnerungen: Die Nostalgie an jene Blütezeit ist noch allgegenwärtig, als man auf den Straßen Romeo Castellucci, Robert Wilson oder Gerard Mortier begegnete und Perm – durchaus berechtigt – den Status als...