Doppelnatur
Draußen vor der Tür, im Park, plappert ein ganzes Vogelvolk, drinnen, in der Kantine der Deutschen Oper am Rhein, klappern nur die Gläser und Flaschen. Für die hehre Kunst hegt der dort wirkende Mitarbeiter des Hauses, zumindest dem Anschein nach, nur sehr bedingt tiefere Gefühle, aber was soll er tun, irgendjemand muss ja den Kram vom Vorabend wegräumen.
Selbst als Magdalena Anna Hofmann in den Raum hineinwirbelt wie eine strahlende Windsbraut, lässt sich der gute Mann nicht irritieren; vielleicht kennt er die Dame aber auch nicht, die gut zwölf Stunden zuvor, als Strauss’ «Elektra», das Haus in der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Allee zum Zittern gebracht hat mit ihrem biegsamen, bergseeklaren, bruchlos schönen Sopran und nun bereit ist für ein Gespräch über die Kunst und das Leben, Gott und die Welt, die Liebe (und das Zweifeln an ihr) sowie selbstredend auch über die naheliegende Frage, wie das so ist, wenn man fast ausnahmslos, Abend für Abend, die großen Partien des hochdramatischen Fachs singt.
Die Sängerin, deren Diventum beträchtlich unter null liegt (ja, so etwas gibt es tatsächlich von Zeit zu Zeit!), hat dazu eine äußerst gesunde, will sagen: natürliche Einstellung. Sie ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Porträt, Seite 70
von Jürgen Otten
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