Vieles, allzu vieles

Die Neuaufnahme von Bizets «Carmen» aus Frankreich ist weder erschütternd noch historisch richtig gut informiert

Opernwelt - Logo

Georges Bizets «Carmen» ist vielleicht das am gravierendsten verkannte Repertoirestück. Seit 1908 sind weit über 200 Gesamteinspielungen erschienen. Keine einzige wird dem Geist dieser «Operette mit tödlichem Ausgang», wie Bizet selbst sein Werk nannte, gerecht. Auch der Versuch zweier renommierter französischer Institutionen, des Palazzetto Bru Zane und der Opéra Royal du Château de Versailles, die Uraufführung vom 3.

März 1875 zu rekonstruieren, ist mit der Aufzeichnung der in Ton wie Bild dokumentierten Vorstellungen vom Januar 2025 krachend gescheitert – musikalisch allein schon deswegen ein Irrtum, weil die gesprochenen Originaldialoge dieser Opéra comique durch die nachkomponierten, erst nach Bizets Tod entstandenen Orchesterrezitative von Ernest Guiraud ersetzt sind. Immerhin hat man die beiden Striche im ersten Akt der korrupten Choudens-Fassung geöffnet.

Am Sinn einer szenischen Wiederbelebung darf man ohnehin berechtigte Zweifel äußern. Nostalgische Patina, mit der der Regisseur Romain Gilbert lockt, führt in die Irre. Ohne jede kritische Reflexion haben sein Bühnenbildner Antoine Fontaine und Christian Lacroix (Kostüme) mit Unterstützung des Choreographen Vincent ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 46
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Editorial Opernwelt 8/26

Die Herren waren sich einig, über Parteigrenzen hinweg. In einer gemeinsamen Erklärung teilten Torsten Burmester, Kölns SPD-Oberbürgermeister, und Stephan Keller (CDU), sein Amtskollege aus dem benachbarten Düsseldorf, Mitte Juni der darob erstaunten Öffentlichkeit mit, sie würden in der Drogenpolitik kühne neue Wege beschreiten: In den «Rauschgiftkonsumräumen»...

Zauber ohne Tricks

Die Zauberin bedarf keines illusionistischen Blendwerks. Keiner üppig wuchernden Zauberinsel, keines Tricks, abgelegte Liebhaber in Tiere zu verwandeln. Alcina selbst ist der Zauber. Ihre Magie leitet sich aus der gewinnenden Offenheit ihres Liebens, der Echtheit ihrer Empfindungen, der Leichtigkeit und Anmut ihres Seins her. Die Zauberin erschuf eine Welt, deren...

Ein Plädoyer für Toleranz und Frieden

Moskau hat als Opernmetropole viel von seinem besonderen Flair eingebüßt. An den großen Häusern pflegt man die Tradition, die kleineren Bühnen schrecken davor zurück, politisch brisante Themen anzufassen – aus offensichtlicher Angst vor einem Staat, der seinen eigenen Angriffskrieg glorifiziert. Das einzige Juwel ist die 1990 vom Regisseur Dmitri Bertman ins Leben...