's ist leider Krieg, immer wieder
Eigentlich sollte Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nie von den Spielplänen verschwinden. Die auf Grimmelshausen beruhende Parabel von dem einfältigen jungen Menschen, der Kriegsleid erfährt, hellsichtig gesellschaftliches Unrecht enttarnt und einen Aufstand der Unterdrückten initiiert, spielt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, zielte aber vor allem auf den heraufziehenden NS-Terror, den Hartmann Mitte der 1930er-Jahre in seinem zweiten Bühnenwerk aus der inneren Emigration heraus scharfsinnig attackierte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte er sich hoffnungsvoll: «Trotz aller politischen Gewitterwolken glaube ich an eine bessere Zukunft», schrieb er – und komponierte für die Zweitfassung (1956) unter anderem eine große orchestrale Schlussapotheose. Ein Plädoyer für den Frieden, das nicht nur in großen Kriegsgedenkjahren aktuell ist.
Am Staatstheater Mainz steht «Simplicius Simplicissimus» als erste Opernproduktion unter dem neuen Intendanten Markus Müller besonders im Fokus. Begonnen hatte die Spielzeit mit Purcells spartenverbindender, von Jo Strømgren mit leichter Hand inszenierter «Fairy Queen», wobei das Musiktheater etwas zu kurz kam: Die Strichfassung ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Claus Ambrosius
Wer Thomas Hampson mag, wird ihn nach der Lektüre dieser Biografie noch sympathischer finden, diesen all-American boy aus Washington State, Jahrgang 1955. Hampsons Vater war Nuklearchemiker, Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten und der Held seiner Kindheit. Als Schüler lernt er Trompete, Schlagzeug, Tuba, erhält Gesangsunterricht bei einer Nonne, entscheidet...
Wie ein Filmdrehbuch hat Hugo von Hofmannsthal das Libretto des «Rosenkavalier» abgefasst, jede Nuance des Bühnengeschehens genau festgelegt. Über Jahrzehnte hinweg, von der Dresdner Uraufführung (1911) an, hielten sich Regisseure penibel an diese Vorgaben. Noch bis in die jüngste Zeit galten die traditionellen Inszenierungen eines Rudolf Hartmann oder Otto Schenk...
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...
