Rüschen, Thesen, Maskeraden
Wie ein Filmdrehbuch hat Hugo von Hofmannsthal das Libretto des «Rosenkavalier» abgefasst, jede Nuance des Bühnengeschehens genau festgelegt. Über Jahrzehnte hinweg, von der Dresdner Uraufführung (1911) an, hielten sich Regisseure penibel an diese Vorgaben. Noch bis in die jüngste Zeit galten die traditionellen Inszenierungen eines Rudolf Hartmann oder Otto Schenk als Referenz. Das moderne «Regietheater» ist freilich auch an diesem Renommierstück nicht spurlos vorbeigegangen.
Mittlerweile scheinen die alten um die Bühne ausgetragenen Kämpfe ausgefochten, halten sich Respekt vor dem Werk und szenischer Eigensinn die Waage. In Altenburg, Kassel und Weimar jedenfalls war das jüngst zu beobachten – ambitionierte Bemühungen um ungeahnte Perspektiven auf ein wohlbekanntes Stück, die auch von einem überwiegend konservativen Publikum akzeptiert wurden.
Altenburg: Octavian als Todesengel
Die Altenburger Inszenierung Alexander von Mayenburgs baut auf einer leicht verwegenen Idee auf. Octavian erscheint hier als Todesengel, der auf einer Barke ins Schlafgemach der Marschallin einfährt. Die weiß wohl, worauf sie sich eingelassen hat, denn die Kralle, die seinen linken Arm verunziert, nimmt sie ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Ekkehard Pluta & Wolfgang Schreiber
Andere an seiner Stelle trügen die Nase hoch. Hans-Peter Lehmann hat das nicht nötig, er ist bescheiden geblieben. Er war Assistent von Carl Ebert, Gustav Rudolf Sellner und Wieland Wagner, hat als blutjunger Regisseur in Berlin schon «Otello» mit Renata Tebaldi inszeniert. Die Arbeiten des Wagner-Enkels Wieland betreute er in Bayreuth von 1960 bis 1973. Mit Birgit...
Wenn Oper in der Oper zitiert wird, ist das meist Ausdruck von Komik. Hans Krása setzte noch eins drauf. Wenn er im Finale des ersten Akts seines Bühnenwerks «Verlobung im Traum» das Mädchen Sina «Casta Diva» aus Bellinis «Norma» anstimmen lässt und die Arie sich in verbaler und musikalischer Polyphonie verfängt, ist das ein virtuoses Doppelspiel mit Komik und...
Auf die Idee mit dem sexy Sixpack sind beide gekommen: Zur optischen Auflockerung wird immer wieder ein halbes Dutzend knackiger Tänzer auf die Bühne geschickt, vorzugsweise in Kostümen mit minimalem Stoffverbrauch. Im dritten Akt trägt jeweils der gesamte Chor putzige Retro-Bademode, und auch eine schwule Kammerzofe gibt es doppelt.
Zwei große Opernhäuser der...
