Zwölf Gesänge über den Krieg
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach einiger Zeit auf der Bühne der Brüsseler Opéra La Monnaie erkennbar werden. Es sind andere, die stellvertretend das kollektive Schicksal beklagen. Ein Kolonialsoldat gehört dazu, später eine Krankenschwester.
Am Ende wird es eine Kriegswaise sein, die den letzten «Canto» anstimmt.
Zwölf Gesänge hat der australische Rock-Poet Nick Cave im Auftrag der Brüsseler Oper verfasst – ein «Requiem of War» im Gedenken an den Ersten Weltkrieg, der in Belgien nicht nur äußere Spuren hinterlassen hat. Nicholas Lens beispielsweise stammt aus Ypern, jener Stadt, in der die deutschen Truppen seinerzeit zum ersten Mal Chlor- und Senfgas eingesetzt haben. Ein solches Wissen lässt sich nicht einfach verdrängen, mag der Komponist in «Shell Shock» auch krasse Klangeffekte scheuen. Die beiden Luftballons im Orchestergraben platzen erst, wenn sich ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hartmut Regitz
Der Wunsch, von den Visionen wie Zumutungen des Regietheaters endlich verschont zu werden, scheint groß zu sein. Anders lässt sich der rauschende Publikumserfolg der einfallslos-sterilen Inszenierung von Verdis früher Oper «Giovanna d’Arco» durch das Videoduo fettFilm in Bonn nicht erklären. Momme Hinrichs und Torge Møller verorten die Geschichte der Jeanne d’Arc,...
Wie sind Sie Souffleuse geworden? Eine Ausbildung gibt es ja nicht.
Ich habe Theaterwissenschaft studiert und anschließend als Dramaturgin am Musiktheater gearbeitet. Doch dann kamen meine Töchter zur Welt – vor 31 und 27 Jahren –, und als ich wieder einsteigen wollte, gab es keine freie Stelle. Aber in Wuppertal wurde eine Souffleuse gesucht. Hauptsache wieder...
Frau Schneiderman, 1984 wechselten Sie von Heidelberg nach Stuttgart.
Ja, im Herbst vor genau 30 Jahren. Meine erste Rolle hier war die Cenerentola.
Welche Bedeutung hat das Ensemble für Sie?
Wenn man sich für eine Stadt entschieden hat, dann ist das Ensemble enorm wichtig. Es ist eben anders als bei einem Gastspiel, bei dem es zwar temporär zu einer familiären...
