Rückschritt

Wien | Staatsoper | Verdi: Don Carlo

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Die aktuelle Produktion von Verdis «Don Carlo» an der Wiener Staatsoper ist ein Rückschritt. Seit 2004 bot das Haus die französische Urfassung in der feinsinnig durchgearbeiteten (gleichwohl zunächst heftig angefeindeten) Inszenierung von Peter Konwitschny – zuletzt im Frühjahr 2012. Ob sie auch in Zukunft gezeigt werden wird, will niemand klar sagen. Dass ihr die jetzt erarbeitete Aufführung unterlegen ist, steht außer Frage. Der neue «Don Carlo» ist neu nur durch die Kulisse. Neue oder auch nur eigene Fragen stellt er nicht.

In einem schwarzen, nach hinten wechselnd geöffneten Holzkasten (in dem sich Dutzende Opern spielen ließen) liefert er steifes und klischeebelastetes Rampentheater, wie man es eigentlich selbst in Wien für überholt gehalten hatte. Auch Lichtschneisen und historisierende Kostüme ließen keine ernst zu nehmende Interpretation, geschweige denn eine Durchdringung des komplexen Werkes erkennen. Ausgerechnet die Autodafé-Szene überschritt die Grenze zur unfreiwilligen Komik: Inszenierung als Dekoration – und sei’s durch Menschenleiber.

Unter solchen Umständen wirkt selbst die um den Fontainebleau-Akt und manche anderen Passagen gekürzte Mailänder Fassung von 1884 ...

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Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Stephan Mösch

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