Rossini: Il viaggio a Reims
Wo die Handlung zum Gerüst schrumpft, hat die Regie freie Hand, eigene Geschichten zu erfinden. Und genau dies tut die junge französische Regisseurin Mariame Clément in der Berner Inszenierung von Rossinis «Viaggio a Reims» mit großer Fantasie. Vor allem ist jede Geste, jede der ständig wechselnden Personenkonstellationen bis in die Details virtuos gearbeitet, ohne sich in Wiederholungen zu verlieren.
Die Spiellust, mit der nicht allein die Protagonisten sondern auch die sorgsam ins Räderwerk eingefügten kleinen Partien, die Statisten sowie der Chor agieren, hinterlässt beim sichtlich amüsiert mitgehenden Publikum Spuren. Dabei gelingt es Clément und der Bühnen- und Kostümbildnerin Julia Hansen, ohne gewaltsame Aktualisierung das Geschehen ins Heute zu transferieren. Das Badehotel «Il Ciglio d’Oro», in dem eine international zusammengesetzte Reisegruppe vergeblich auf die Kutsche wartet, die sie zur Königskrönung nach Reims bringen soll, ist zum Großraumflugzeug einer Gesellschaft gleichen Namens mutiert. In diesem werden nicht nur die unterschiedlichen Klassen als solche behandelt, sondern sind auch sämtliche noch so überdreht wirkenden Launen und Schrullen sehr real und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Demokratischer als zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Teatro «G. B. Pergolesi» in Jesi in der Adria-Region Marken hätte es in einem Opernhaus nicht zugehen können. Wann bietet sich Premierenbesuchern sonst die Möglichkeit, selbst darüber zu befinden, welche Ouvertüre den Auftakt zum Abend geben sollte? Kurz vor Beginn durften die Zuschauer das Stück ihrer...
Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...
Die Krise des CD-Marktes verschont auch die Opern Richard Strauss’ nicht: Obwohl gerade die Spätwerke wie «Die Ägyptische Helena», «Daphne» und «Danae» seit einigen Jahren eine Renaissance auf den Bühnen erleben, ist davon auf CD nur wenig zu spüren. Selbst Christian Thielemann, der wohl profilierteste Strauss-Dirigent unserer Tage, durfte bislang noch keine...
