Nichts ist, was es scheint
Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot der Klangbogen Wien genau diese Fassung von 1805. Da klingt so vieles vertraut und doch wieder ganz neu, angefangen mit der Zweiten «Leonoren»-Ouvertüre, die Felix Weingartner ohnehin für die beste hielt.
Zudem sind später eingesparte Kostbarkeiten zu hören, beispielsweise das C-Dur-Duett Leonores und Marzellines «Um in der Ehe froh zu leben» mit dem wunderbaren Violin- und Cello-Solo. Leonores große Soloszene samt Arie «Komm, Hoffnung» bietet statt des konzentrierten Elans in der Version von 1814 eine geradezu moderne psychologische Studie in Selbstzweifel und Versagensangst. Überhaupt gerät das in der Version von 1814 so heldische Paar Leonore und Florestan zu Charakteren mit menschlichen Schwächen.
G. H. Seebachs Inszenierung beließ die Handlung optisch in einem stilisierten Klassizismus (Bühne: Hartmut Schörghofer, ...
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