Mit Publikumsbeteiligung
Demokratischer als zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Teatro «G. B. Pergolesi» in Jesi in der Adria-Region Marken hätte es in einem Opernhaus nicht zugehen können. Wann bietet sich Premierenbesuchern sonst die Möglichkeit, selbst darüber zu befinden, welche Ouvertüre den Auftakt zum Abend geben sollte? Kurz vor Beginn durften die Zuschauer das Stück ihrer Präferenz aus einer Vorschlagsliste bestimmen. Nachdem kostümierte junge Helfer die Voten rasch eingesammelt hatten, wurde das Auszählungsverfahren allerdings radikal vereinfacht: Man entschied per Los.
Das Philharmonische Orchester der Marken konnte so nach wenigen Minuten unter Attilio Cremonesis dynamischer Stabführung das Siegerstück anstimmen: Mozarts Vorspiel zum «Schauspieldirektor».
Dieses ungewohnte Vorgehen – einer von zahlreichen pfiffigen Regieeinfällen – knüpft an die Aufführungspraxis dieser musikalischen Komödie, einer Collage aus dem 18. Jahrhundert, an, die das Teatro «Pergolesi» jetzt nach mehr als zweihundert Jahren zum ersten Mal wieder vorstellte. Der Ablauf war damals nicht festgelegt, ließ sich bei jeder Aufführung vom Autor, den Mitwirkenden, den Veranstaltern und dem Publikum neu arrangieren. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gibt es für das Böse eine Grenze auf unserer Erde? Diese rhetorische Frage stellt Thyeste sich in der gleichnamigen Oper des niederländischen Komponisten Jan van Vlijmen, die nun ihre Uraufführung am Brüsseler Théâtre de la Monnaie erlebte – als Koproduktion mit der Nationalen Reiseoper Enschede. Die Frage liegt auf der Hand, hatte Thyeste doch gerade, ohne es zu...
«Das Schicksal hier in Bonn», schrieb Beethoven 1787, «ist mir nicht günstig» und verließ die Rheinstadt in Richtung Wien. Doch seit den Plänen für ein Beethoven-Denkmal im Todesjahr des Komponisten versucht man dort, die Dinge zu verbessern. So im Ringen um Beethovens Schmerzenskind «Fidelio», für den etwa Nikolaus Lehnhoff 1983 anstelle der Dialogtexte auf die...
Spannende Geschichte mit Happy End – das war schon immer ein beliebtes Erzählschema. Die Ausgrabung des dreiaktigen «Motezuma» von Antonio Vivaldi wurde, dank der Besitzerin der Abschrift, zu einem aufregenden Krimi. Am 11. Juli hatte das Düsseldorfer Landgericht im Eilverfahren die Aufführung verboten (siehe OW 9-10/2005). Doch die Berufungsinstanz gab dem...
