Romeo in Johannesburg
Das Prinzip Hoffnung – es ist noch nicht erschöpft in Alexandra. Obwohl kaum etwas für Aufbruch, Zuversicht, Lust auf Zukunft zu sprechen scheint, wenn man durch die staubigen Straßen dieser Vorstadt fährt. Etwa 200.000 Menschen leben hier auf engstem Raum, viele in notdürftig zusammengeflickten Behausungen aus rohen Ziegeln, Wellblech, Pappe. Wie schon ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Die Gemeinde im Nordosten von Johannesburg gehört zu den ärmsten Gegenden in Südafrika. Immer noch, seit einer gefühlten Ewigkeit. Schon Anfang des 20.
Jahrhunderts, als der Goldrausch, dem die Metropole ihre Existenz verdankt, unzählige Glücksritter, Geschäftsleute und Wanderarbeiter in die unwirtliche Region am Witwatersrand lockte, wurde Alexandra, noch unter britischer Kolonialaufsicht, zu einer sogenannten «Township» erklärt, einem Siedlungsgebiet für «Eingeborene». Nur hier, elf Kilometer vom Zentrum entfernt, und an wenigen anderen, per Dekret ausgewiesenen Orten konnten schwarze Afrikaner nach der Verabschiedung des «Natives Land Act» 1913 Grundstücke erwerben. Eine Maßnahme, die der weißen Minderheit, vor allem britischen und niederländischen Immigranten, die Kontrolle über mehr ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Albrecht Thiemann
Man kann sich die Szene gut vorstellen. Wie sich der kleine Daniele, elf Jahre jung, vor dem großen Riccardo aufbaute und verkündete: Dirigent, das wolle er auch werden. Muti hat das damals, so erinnert sich der ehemalige Sängerknabe heute, vollkommen ernst genommen und aufgezählt, welche Studienfächer erforderlich sind. Heute ist für Daniele Rustioni nicht nur...
Die Rasur des Hauptmanns fällt aus. Er kauert auf einem ausgestopften Pferd, das gerade zum Sprung ansetzt. Von Wozzeck rasiert werden hier ein paar in Reih und Glied aufgestellte Gardisten, und zwar unterhalb der Gürtellinie: Einem nach dem anderen stutzt er das Haar am Gemächt. Hinten zieht ausgelassenes Volk vorbei, Fähnchen schwenkend, zum Frohsinn...
Die Choreografin Pina Bausch ist lange nach dem Ende ihrer Karriere als Tänzerin noch zweimal als Schauspielerin aufgetreten: in Boris Blachers Gombrowicz-Oper «Yvonne, Prinzessin von Burgund» als stumme Titelfigur, in Fellinis «Schiff der Träume» als blinde Prinzessin. Die Lautlose kann sich nicht mitteilen; zum Nicht-Sehen-Können gehören die Hilflosigkeit wie das...
