Dunkle Räume, klare Linien
Gerard Mortier besitzt die schöne Gabe, treu sein zu können. Künstler, die er schätzt, dürfen seine Karriere begleiten. Die Herrmanns sind das beste Beispiel dafür: Mit ihrem «Titus» begann einst in der Mortier-Ära das Brüsseler Mozart-Wunder, das sich dann mit derselben Inszenierung in Salzburg fortsetzte und zuletzt auch noch in Paris Zeugnis alter Mozart-Herrlichkeiten ablegte. Eine andere Vorliebe Mortiers rührt aus seiner Salzburg-Zeit her. Dort hatte die Gruppe La Fura dels Baus ihm mit einem spektakulären Faust-Projekt einen großen Erfolg beschert.
Für die RuhrTriennale gab Mortier dann bei den Katalanen eine «Zauberflöte» in Auftrag, die etwas bizarr ausfiel. Jetzt präsentierte die Gruppe im Palais Garnier einen Doppelabend mit Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und, davorgestellt, einer szenischen Darstellung von Janáceks Liederzyklus «Tagebuch eines Verschollenen». Der Dirigent Gustav Kuhn, der beide Aufführungen umsichtig und mit viel Klangsinn leitete, instrumentierte auch den Klaviersatz des Janácek-Zyklus, durchaus kontrastreich, aber vielleicht eine Spur zu wenig griffig, der beredte Duktus der Musik wirkte leicht flächig.
Auf der fast leeren, dunklen Szene sieht man ...
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Je älter er wurde, desto aristokratischer wirkte er mit seiner schlanken Gestalt und dem schmalen, vergeistigten Gesicht. Aber wenn man ihm begegnete, in Spoleto bei seinem «Festival zweier Welten» oder auch nur im kleinen Gießen, wo er auf Einladung seinen «Konsul» und seine «Globolinks» inszenierte, dann schienen die Jahre irgendwie spurlos an ihm...
Die Stärken der Aufführung liegen auf musikalischer Seite. Man spielt im Wesentlichen die Fassung von 1872 plus Basilius-Kathedralen-Bild von 1869 in deutscher Übersetzung von Max Hube. GMD Golo Berg gelingt es in einer klangsuggestiven, straffen, gleichwohl poetischen Lesart, den Balanceakt zwischen Archaik und Moderne hörbar zu machen, der Mussorgskys «Boris...
Skandale lassen sich nicht reproduzieren. Das hatte Joachim Herz wohl auch nicht im Sinn, als er 1977 bei seiner Berliner Inszenierung von Brecht/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Komischen Oper einen «Mann, der damals schon dabei war» in das Personal einschleuste. Man kann in dieser Maßnahme einen nostalgischen «Blick zurück» sehen, kann sie...
