Ringen und Singen

Die English National Opera wird kaputtgespart, zeigt aber trotz der Wirrnisse packende Produktion von Brittens «Turn of the Screw»

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Von den alten Griechen ist der Mythos überliefert, dass Schwäne im Angesicht des Todes besonders schön singen. Daher rührt der Begriff «Schwanengesang». Seitdem die English National Opera vor dem Abgrund steht, singt und spielt sie, als beflügle die Not des Hauses ihre Kreativität. In den letzten zwei Jahren hat die ENO eine Reihe von Aufführungen produziert, wie man sie oft vermisst hat.

Dazu gehört die fesselnde neue Inszenierung von Brittens «The Turn of the Screw» nach der psychodramatischen Schauernovelle von Henry James, die ebenso viele Fragen aufwirft, wie sie Deutungen erlaubt.

Die Geschichte einer namenlosen Erzieherin, die überzeugt ist, dass die Unschuld der beiden Waisenkinder in ihrer Obhut durch die bösen Geister von zwei verstorbenen Angestellten des Hauses (dem Diener Peter Quint und ihrer Vorgängerin Miss Jessel) korrumpiert werde, lässt bewusst vieles im Unklaren. James ging es darum, die allgemeine Vorstellung vom Bösen inten -siv genug zu gestalten, damit der Leser die Details mit seiner eigenen Phantasie ausfüllen könne. In der Novelle konstatiert der Erzähler der Geschichte denn auch, dass sie das Unbegreifliche nicht enthüllen werde, «jedenfalls nicht platt ...

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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Götz Thieme

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