Drei Mal Leben

Der Musiktheaterabend «Héroïne» an der Opéra national de Lorraine in Nancy verknüpft sehr anschaulich Hindemiths «Sancta Susanna», «Herzog Blaubarts Burg» von Bartók und Honeggers «La Danse des morts»

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Das ist doch mal ein Statement: «Ich bin schön.» In diesem dreifach einsilbigen Satz der Sancta Susanna liegt gehöriger Sprengstoff. Da bricht die Energie einer jungen Frau auf, die ihren Körper in der Sittenstrenge des Klosters nicht eine Sekunde lang spüren durfte. Wo die Keuschheit von Schwester Klementia, ihrer einzigen Vertrauten, als gemeinsames Gelübde hochgehalten wird, gerät Susanna in dieser Mainacht in Ekstase.

Das Libretto von August Stramm sieht sogar vor, dass sich die junge Nonne entkleidet, das Lendentuch des Gottessohns vom Kruzifix der Klosterkirche reißt und davor auf die Knie sinkt: extreme Entäußerung einer Emanzipierten.

In der Inszenierung von Anthony Almeida an der Opéra national de Lorraine braucht es derlei übersteigerten Realismus mitnichten, der Hindemiths 1922 in Frankfurt aus der Taufe gehobenen Einakter einst zum Skandalstück machte. Das Werk wurde als obszön, pervers und gotteslästerlich wahrgenommen. Jetzt beglaubigt Susanna ihren Akt der Selbsterkenntnis ganz schlicht mit einer enorm wirkungsvollen Geste: Als sie sich ihre Haube vom Kopf reißt, fällt eine lange rote Mähne an ihrem Rücken herab. Anaïk Morel würde in dieser Rolle glatt als ...

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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Peter Krause

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