Rettung, Teil zwei

Dramatischer Sog, problematische Kürzungen: Meyerbeers «Vasco da Gama» als Mitschnitt aus Frankfurt 2018

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Nach dem von Wagner vorbereiteten und von den Nationalsozialisten vollstreckten tiefen Fall von Giacomo Meyerbeers Opern schien insbesondere seine «Africaine» trotz einer legendären Nachkriegsproduktion mit Shirley Verrett und Plácido Domingo kaum wiederbelebbar. Zu wenig wusste man vom tatsächlichen Überlieferungsstand der Partitur (vier der fünf Akte befinden sich in Krakau), zu sehr misstraute man der nach Meyerbeers Tod vom Komponisten und Musikwissenschaftler François-Joseph Fétis besorgten Uraufführungsfassung von 1865.

Fétis hatte diese Fassung aus der Fülle des hinterlassenen Notenmaterials erarbeitet. Jürgen Schläder aber sichtete erneut das gesamte erhaltene Material, das Meyerbeer als «Spielmaterial» für den Probenprozess erstellt hatte, und extrahierte daraus mit großer Umsicht eine ebenso opulente wie kritische Fassung. An der Oper Chemnitz wurde damit 2013 ein neues Kapitel der Rezeptionsgeschichte aufgeschlagen, Schläder gab der Oper auch den letztgültigen Titel «Vasco da Gama» zurück. 2015 folgte die Deutsche Oper Berlin mit einer wenig geglückten Produktion, 2018 die Oper Frankfurt mit einer Inszenierung, die die Reise in ein exotisches Fantasie-Indien durch eine ...

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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 51
von Klaus Heinrich Kohrs

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