Der Sog der Leerstelle

«Il viaggio» von Alois Bröder

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ZUKUNFTS MUSIK

Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

Luigi Pirandello galt als Revolutionär des italienischen Theaters. Stil und Stücke im 20. Jahrhundert waren geprägt von seinen Arbeiten, seinen Imaginationen – Pirandello gilt nicht umsonst als Vorreiter des absurden Theaters, ähnlich wie Jarry oder Artaud. Aber in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts werden zunehmend seine Romane und der immense Reigen von gut 250 Novellen, die mit erschreckender Klarheit und ohne Sentimentalität von bemerkenswerten und dabei doch oft unspektakulären Begegnungen im italienischen Süden erzählen.

Dabei geht es mit großer Regel -mäßigkeit um den Sog der Leerstelle: die Abwesenheit von Liebe, das Fehlen von Zugehörigkeit, die Sehnsucht nach Antworten. Die Leerstellen, die zu den definierenden Momenten in den Biografien seiner Protagonistinnen und Protagonisten werden. Die Leerstellen, aus denen lebensverändernde Dramatik entsteht und die sich doch in den fast unbeachteten Momenten abspielt.

Aus zwei Novellen des Autors formt der deutsche Komponist Alois Bröder für das Landestheater Linz einen Doppelabend unter dem Titel «Il viaggio» (Die Reise). Neben der gleichnamigen Kurzgeschichte ist zudem die Erzählung «Il lume dell’altra casa» (Das Licht vom ...

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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Anna Maria Jurisch

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