Reise ins Unbewusste

Mariss Jansons und Stefan Herheim deuten «Pique Dame» in Amsterdam als Requiem auf Tschaikowsky

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Die Gefühle stauen sich nachttief in diesem Kabinett manischer Depressionen. Mag die Musik noch so hellsichtig von geheimem Begehren erzählen, mag sie das entfremdende Spiel um Liebe, Geld und gesellschaftliche Anerkennung noch so klar aufdecken, für den tragischen Helden, der sich hier am Klavier, im Fauteuil oder auf dem Ball das wahre Leben herbeisehnt, kommt jede Hilfe zu spät. Er kann noch so viele Noten schreiben, sich noch so rückhaltlos mit seinen Bühnengeschöpfen identifizieren – er bleibt auf sich selbst zurückgeworfen.

Allein mit den schweren grünen Vorhängen, dem dunklen Holz und den Bücherwänden im weitläufigen Salon. Allein mit den über dem Kamin zum Ölporträt erstarrten Frauen, an die er sich vergebens zu binden suchte, um das Verbotene zu ersticken. Allein mit der Verzweiflung, der Scham, dem inneren Druck der homoerotischen Energien, die ihn treiben, drängen, beseelen.

Im Muziektheater am Waterlooplein ist das Spiel bereits in vollem Gang, bevor es eigentlich begonnen hat: Ein Herr in korrekt geschlossenem grauen Tuch betrachtet schüchtern, stumm einen Kerl, der mit blanker Brust im Sessel döst. Schlohweiß das Haar, der Bart, um Fassung ringend, mit fliehender ...

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Opernwelt August 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann

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