Himmelstürmer
Bonjour Frankreich! Ein besseres Motto lässt sich für die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci kaum denken. 16 Tage und Nächte lang erinnerten zahlreiche Künstler nicht nur an den Geist einer Verständigung, für den repräsentativ der intellektuelle Diskurs von Friedrich II. und Voltaire gestanden hat, sondern machten einem interessierten Publikum noch einmal all das anschaulich, worauf sich die Kultur, aber auch das gegenwärtige Erscheinungsbild der Stadt letztlich gründet.
Einen Monopteros, wie Antoine Fontaine ihn auf die Bühne des Hans Otto Theaters zaubert, findet man auch auf dem Ruinenberg nördlich von Schloss Sanssouci, und wenn auf dessen Stufen heutzutage auch kein Pygmalion mehr verzweifelt, kann man sich Anders J. Dahlin durchaus als einen Bildhauer vorstellen, dem die eigene Schöpfung nicht mehr aus dem Kopf will. Das Haar verstrubbelt, die Beine in einer verschmierten Jeans, das Hemd knallbunt, unter dem tätowierte Arme schimmern, wirkt er in der Inszenierung von Natalie van Parys zunächst wie ein etwas zu lang geratener Schlaks, den möglicherweise ganz einfach die Sonne gestochen hat. Wie anders wäre der plötzliche Lichteinfall zu erklären, der auf einmal seine Skulptur ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Hartmut Regitz
Wer oder was ist der Narr im «Wozzeck»? In Georg Büchners fragmentarisch hinterlassenen Szenen heißt er Karl und taucht öfter auf als in der Oper von Alban Berg. Die Oper braucht ihn im Grunde nur an einer, freilich zentralen Stelle des zweiten Akts: Ein Wirtshaus entstellt die Menschen zur Kenntlichkeit. Soldaten grölen von lustiger Jägerei, die Seelen stinken...
Das war überfällig. Hartmut Haenchen, einer der bedeutendsten Wagner-Dirigenten unserer Zeit, dirigiert in Bayreuth. Dass der 73-Jährige erst jetzt und «nur» als Einspringer für Andris Nelsons zum Zuge kommt, der Ende Juni, vier Wochen vor der Festspieleröffnung, die Brocken hinwarf, spricht Bände über die Zustände hinter den Mauern des Festspielhauses.
Für den...
Lediglich Berlin und Sachsen geben jährlich, gemessen am Gesamthaushalt, mehr Geld für Kultur aus als Thüringen. Und trotzdem reichen die knapp 300 Millionen Euro, die Land und Kommunen in diesem Bereich investierten (neuere Zahlen liegen nicht vor), vorne und hinten nicht. Weil das kulturelle Erbe dieser historisch von Kleinstaaterei und Residenzkultur geprägten...
