Reichtum des Sinnlichen

CD des Monats: Rameaus «Castor et Pollux» in der Urfassung und mit vokaler Starbesetzung, unter der musikalischen Leitung von György Vashegyi

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Es wird keine Vorgeschichte erzählt. Castor ist tot, und umstandslos beginnt der erste Akt von Rameaus 1737 uraufgeführter dritter Oper mit einem Glanzstück der Partitur: der heroischen Totenklage «Que tout gémisse», deren klassischer Lamento-Bass fanalartig in der Oberstimme einsetzt. Alles ist auf den schärfsten Kontrast gestellt, denn der allegorische Prolog, frei von allen vordergründigen Huldigungsgesten an den Souverän, hatte gerade den Sieg des Friedens über den Krieg gefeiert: Amor versöhnte Mars mit Venus.

«Für uns ist’s die Zeit der Liebe» war sein prophetisches Resümee, denn der polnische Thronfolgekrieg, in den Frankreich verwickelt war, steuerte inzwischen auf eine Lösung zu.

Diesen kühnen dramaturgischen Coup setzte 1754 die zweite Fassung des Werks auf konventionelle Weise außer Kraft, indem sie den Prolog durch einen neuen ersten Akt ersetzte, der die dramatis personae und ihre Ambitionen vorstellte (während in der Urfassung Castor, der tote Held des Beginns, überhaupt erst im vierten Akt erscheint). Rameau setzte der Partitur ein paar spektakuläre Lichter auf und kürzte die wahrlich langen rezitativischen Dialoge der Protagonisten, die den Sängern ein Äußerstes an ...

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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 39
von Klaus Heinrich Kohrs

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