Ins offene Messer gelaufen

Verdi: La forza del destino ZÜRICH | OPERNHAUS

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Fast möchte man sagen: Mit Andreas Homoki wäre das nicht passiert. Aber vielleicht war gerade dies Zweck der Übung des neuen Intendanten Matthias Schulz: sich von seinem Vorgänger am Zürcher Opernhaus abzusetzen. Irritierend war die einigermaßen instinktlose Idee, seinem Gastland, der Schweiz, und seinem Arbeitgeber gleich in der zweiten Produktion seiner ersten Spielzeit eine Kriegsvernichtungs-Phantasie zu bieten.

Die Regisseurin Valentina Carrasco hielt dies in Giuseppe Verdis «La forza del destino» für unerlässlich (was der Historiker Jakob Tanner im Programmheft mit kritischen Anmerkungen zur zweifelhaften «Neutralität» der Schweiz wohl wissenschaftlich untermauern sollte).

Der Schuss ging nach hinten los: Die «Lesart» der Regie ist eine doppelte Fehl -interpretation. Carrasco übersieht, dass der Krieg in Verdis Oper zwar ein gewichtiges, aber nicht das einzige Sujet ist. Deshalb muss sie die weibliche Hauptrolle, am Werk vorbei, in ihr Gegenteil verkehren: Leonora, die vor den innerfamiliären und politischen Konflikten in ein Kloster flieht, wird hier selbst zur Kriegerin. Mit kugelsicherer Weste und Gewehr im zweiten Akt «geweiht», macht sie am Schluss der Oper im ...

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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Lotte Thaler

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