Mit menschlichem Maß
Positiv schon, dass dieser Halberstädter Wagner-Nachmittag und -Abend auch für Menschen mit weiter Anreise oder begrenztem Zeitbudget nicht zur Geduldsprobe entgleist: Nach reichlich viereinhalb Stunden ist Brünnhilde feierlich in ihrem Feuerring verschlossen, wobei die Licht- und Videotechnik noch einmal gute Figur macht. Nun kann sich jeder nach Herzenslust bei den Mitwirkenden bedanken oder aber flott das Weite suchen, um noch seinen Zug zu bekommen.
Zu danken ist das einer Vorstellungsstrukturierung, die beide Aktpausen in knapper Erholsamkeit hält und den künstlerischen Teil ohne Hast, aber straff organisiert abrollen lässt: eine Aufführung mit menschlichem Maß sowohl auf der Bühne als auch im Umfeld. Johannes Rieger, Musikdirektor wie Intendant des Hauses (und damit in gewisser Weise für beides zuständig), konnte sich hier wie dort auf eine spürbar gut funktionierende Teamarbeit verlassen.
Dass der Halberstädter «Ring» in den nächsten Jahren komplett fertiggeschmiedet werden soll, erscheint dennoch als einigermaßen kühn, verfügt doch das Stammhaus mit seinen 500 Plätzen zwar über eine durchaus Wagner-affine Akustik, aber eben auch eine Bühnengröße, bei der man eher an Haydn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Gerald Felber
Alice fällt. In der langen Eröffnungsszene wird vom Schnürboden eine Artistin als ihr Double herabgelassen, die in Zeitlupe mal kopfüber, mal kopfunter mit Armen und Beinen Halt und sich der Schwerkraft zu widersetzen sucht. Vergeblich. Dazu entwickelt sich im Graben, aus unheimlich tiefen Schlagzeugklängen, bald eines jener quecksilbrigen, glitzernden Klangbilder,...
Sie sind einander vermutlich nie begegnet, obwohl sie das gleiche Schicksal teilten, wussten deswegen auch nicht, dass es weitere Parallelen zwischen ihnen gab. Beide Frauen waren jung und jüdischen Glaubens, beide führten, bevor sie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen kamen, zwei Jahre lang Tagebuch, die eine in Paris, die andere in Amsterdam. Der wesentliche...
Natürlich kam einem der Dichter Matthias Claudius in den Sinn, als Mitte Juni 2024 die Nachricht durch die Musikwelt geisterte, Jodie Devos sei plötzlich gestorben, und einen wahren Schock auslöste, weil man das Unabänderliche nicht glauben konnte. Und natürlich breiteten sich sofort auch Schuberts tieftraurige Klänge vor dem inneren Ohr aus, die der Komponist für...
