Mit menschlichem Maß

Das Halberstädter «Ring»-Projekt wird mit der «Walküre» fortgesetzt. Der Abend überzeugt szenisch, musikalisch wird Erstaunliches geboten

Opernwelt - Logo

Positiv schon, dass dieser Halberstädter Wagner-Nachmittag und -Abend auch für Menschen mit weiter Anreise oder begrenztem Zeitbudget nicht zur Geduldsprobe entgleist: Nach reichlich viereinhalb Stunden ist Brünnhilde feierlich in ihrem Feuerring verschlossen, wobei die Licht- und Videotechnik noch einmal gute Figur macht. Nun kann sich jeder nach Herzenslust bei den Mitwirkenden bedanken oder aber flott das Weite suchen, um noch seinen Zug zu bekommen.

Zu danken ist das einer Vorstellungsstrukturierung, die beide Aktpausen in knapper Erholsamkeit hält und den künstlerischen Teil ohne Hast, aber straff organisiert abrollen lässt: eine Aufführung mit menschlichem Maß sowohl auf der Bühne als auch im Umfeld. Johannes Rieger, Musikdirektor wie Intendant des Hauses (und damit in gewisser Weise für beides zuständig), konnte sich hier wie dort auf eine spürbar gut funktionierende Teamarbeit verlassen.

Dass der Halberstädter «Ring» in den nächsten Jahren komplett fertiggeschmiedet werden soll, erscheint dennoch als einigermaßen kühn, verfügt doch das Stammhaus mit seinen 500 Plätzen zwar über eine durchaus Wagner-affine Akustik, aber eben auch eine Bühnengröße, bei der man eher an Haydn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Gerald Felber

Weitere Beiträge
Rampen-Gehampel

Die Story, 1851 ausgeheckt in der Lustspielschmiede von Eugène Labiche, ist eine rasante Absurdität: ein Bräutigam, dessen Pferd am Tag der Hochzeit den Strohhut einer zufällig gerade fremdgehenden Dame aufgefressen hat, dessen Verschwinden nun ihr Alibi gefährdet (der Gatte ist ein Eifersüchtiger), was den Liebhaber der Dame dazu bringt, den Bräutigam zu...

Zurück in die Zukunft

Im Jahr 1929 im Haus von Albert Einstein: Der Physiker führt einer erlesenen Gesellschaft, darunter Richard Strauss, Max Liebermann und Gerhart Hauptmann, seine neueste Erfindung vor: eine Zeitreisemaschine. Doch in welche Epoche soll es gehen? Welche Persönlichkeiten könnte man treffen? Möchte Strauss seiner Salome begegnen? Oder lieber weiter zurückwandern – bis...

Editorial Opernwelt 1/26

Diese redaktionelle Eingebung ist Legende: «Prima, eine Donna am Pult», lautete 2002 die Überschrift zu einem Porträt der US-amerikanischen Dirigentin Marin Alsop in der «Süddeutschen Zeitung». Alsop war in jenem Jahr zur Chefdirigentin des Bournemouth Symphony Orchestra ernannt worden und damit eine der ersten (von wenigen) Frauen in führender Position. Seither...