Mit menschlichem Maß
Positiv schon, dass dieser Halberstädter Wagner-Nachmittag und -Abend auch für Menschen mit weiter Anreise oder begrenztem Zeitbudget nicht zur Geduldsprobe entgleist: Nach reichlich viereinhalb Stunden ist Brünnhilde feierlich in ihrem Feuerring verschlossen, wobei die Licht- und Videotechnik noch einmal gute Figur macht. Nun kann sich jeder nach Herzenslust bei den Mitwirkenden bedanken oder aber flott das Weite suchen, um noch seinen Zug zu bekommen.
Zu danken ist das einer Vorstellungsstrukturierung, die beide Aktpausen in knapper Erholsamkeit hält und den künstlerischen Teil ohne Hast, aber straff organisiert abrollen lässt: eine Aufführung mit menschlichem Maß sowohl auf der Bühne als auch im Umfeld. Johannes Rieger, Musikdirektor wie Intendant des Hauses (und damit in gewisser Weise für beides zuständig), konnte sich hier wie dort auf eine spürbar gut funktionierende Teamarbeit verlassen.
Dass der Halberstädter «Ring» in den nächsten Jahren komplett fertiggeschmiedet werden soll, erscheint dennoch als einigermaßen kühn, verfügt doch das Stammhaus mit seinen 500 Plätzen zwar über eine durchaus Wagner-affine Akustik, aber eben auch eine Bühnengröße, bei der man eher an Haydn ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Gerald Felber
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