(Re-)traumatisiert

Czernowin: Pnima ... Ins Innere am Staatstheater Darmstadt

Opernwelt - Logo

Flackerndes Licht überzieht die schwitzenden Körper mit psychedelisch bunten Farben. Ausgelassene junge Menschen recken die Arme zum Himmel und tanzen sich in Ekstase. Doch es gibt keine Musik. Die Szene gleicht einem Handyvideo ohne Ton, das in Slow Motion abgespielt wird. Das Bild beginnt zu ruckeln, Sequenzen springen vor und zurück. Dann erlischt das Licht. Die Tanzfläche ist plötzlich wie ausradiert. Nur einzelne schwere Atemgeräusche sind zu hören. Ansonsten herrscht dröhnende Stille.

Karsten Wiegands Inszenierung von Chaya Czernowins Kammeroper «Pnima … ins Innere», einer Weiterentwicklung seiner Lesart 2008 in Weimar, findet ihren Ausgangspunkt in einem traumatischen Ereignis der jüngsten Gegenwart: dem von Hamas-Terroristen begangenen Massaker auf dem Supernova-Festival in der Negev-Wüste in Israel. Nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023 hat das Staatstheater Darmstadt kurzfristig sein Programm geändert und Czernowins Stück auf den Spielplan gesetzt. Mit der Premiere am Jahrestag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wollte die Theaterleitung ein klares Zeichen gegen wachsenden Antisemitismus setzen. Das Publikum ist auf der Hinterbühne platziert und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Silvio Adler

Weitere Beiträge
No Sense

Brittens letzte Oper «Death in Venice» ist – wie seine Vorlage, Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» – ein Werk über das Sterben, es fragt nach der Würde oder der fehlenden Würde des Dahingehens. Ein Werk über das Vergreisen ist es jedoch keineswegs. Genau in diese Falle tappt Magdalena Fuchsberger mit ihrer Inszenierung am Theater Heidelberg. Der Dichter...

Flammenopfer

Betritt man den Zuschauerraum des Grand Théâtre de Genève, ist die Musik schon da. Kojack Kossakamvwe, begnadeter Gitarrist aus dem Kongo, sitzt vor dem Eisernen, ganz im Eck, und flicht seine schier unendlichen Girlanden voller Funk und zersplitternder Melodien. Schon ist man dort, wo dieser Abend angesiedelt ist – in Afrika, genauer: im Kongo. Passend dazu die...

TV, Streams, Kino 3/24

arte
02.03. – 05.05 Uhr
Bedřich Smetana: Dalibor
Die Prager Oper zeigt Smetanas Vertonung der Sage um den böhmischen Ritter Dalibor, der im Gefängnis so herzzerreißend Geige spielen lernt, dass sich täglich Menschen um den Gefängnisturm scharen, um ihm zuzuhören. Den Abschluss der Opernspielzeit des Prager Nationaltheaters im März 2020 dirigierte Jaroslav Kyzlink,...