Flammenopfer

Milo Rau und Titus Engel bringen in Genf Hèctor Parras Musiktheater «Justice» auf ein Libretto von Fiston Mwanza Mujila als europäisch-kongolesische Kooperation zur Uraufführung

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Betritt man den Zuschauerraum des Grand Théâtre de Genève, ist die Musik schon da. Kojack Kossakamvwe, begnadeter Gitarrist aus dem Kongo, sitzt vor dem Eisernen, ganz im Eck, und flicht seine schier unendlichen Girlanden voller Funk und zersplitternder Melodien. Schon ist man dort, wo dieser Abend angesiedelt ist – in Afrika, genauer: im Kongo. Passend dazu die Plastikstühle und die schick-verspielten, coolen Kleider und Anzüge, die Cedric Mpaka passgenau fürs Bühnenpersonal entworfen hat.

Diese Genfer Uraufführung darf in vielerlei Hinsicht als ungewöhnlich gelten, denn «Justice» ist eine europäischkongolesische Kooperation, vermutlich die erste ihrer Art. Ihr Librettist, Fiston Mwanza Mujila, wirkt selbst als Erzähler mit. Und einige der Figu -ren auf der Bühne verkörpern lebende Menschen, die man auch in Videos sieht, als Überlebende einer Katastrophe.

2019 stürzte in Kabwe, einem Dorf in der Bergbauregion im Süden des Kongo, ein Tanklaster mit Schwefelsäure auf den Marktplatz und auf einen Bus; 21 Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt, für immer entstellt. Der Tanker war im Auftrag der Firma Glencore unterwegs, die führend im Rohstoffhandel und im Betreiben von ...

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Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Egbert Tholl

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