Flammenopfer
Betritt man den Zuschauerraum des Grand Théâtre de Genève, ist die Musik schon da. Kojack Kossakamvwe, begnadeter Gitarrist aus dem Kongo, sitzt vor dem Eisernen, ganz im Eck, und flicht seine schier unendlichen Girlanden voller Funk und zersplitternder Melodien. Schon ist man dort, wo dieser Abend angesiedelt ist – in Afrika, genauer: im Kongo. Passend dazu die Plastikstühle und die schick-verspielten, coolen Kleider und Anzüge, die Cedric Mpaka passgenau fürs Bühnenpersonal entworfen hat.
Diese Genfer Uraufführung darf in vielerlei Hinsicht als ungewöhnlich gelten, denn «Justice» ist eine europäischkongolesische Kooperation, vermutlich die erste ihrer Art. Ihr Librettist, Fiston Mwanza Mujila, wirkt selbst als Erzähler mit. Und einige der Figu -ren auf der Bühne verkörpern lebende Menschen, die man auch in Videos sieht, als Überlebende einer Katastrophe.
2019 stürzte in Kabwe, einem Dorf in der Bergbauregion im Süden des Kongo, ein Tanklaster mit Schwefelsäure auf den Marktplatz und auf einen Bus; 21 Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt, für immer entstellt. Der Tanker war im Auftrag der Firma Glencore unterwegs, die führend im Rohstoffhandel und im Betreiben von ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Egbert Tholl
Am Teatro alla Scala ist der Name von Maria Callas untrennbar mit Luigi Cherubinis «Médée» verbunden. Nicht zuletzt mit dieser Partie, die sie 1953 unter Leonard Bernstein und nochmals 1961 sang (am Pult stand Thomas Schippers), erzielte die griechische Sopranistin einen ihrer größten Erfolge. Ob Zufall oder absichtsvolle Reverenz: 62 Jahre lang wurde diese Oper in...
Die romantische Oper lebt, auch in ihren letzten Exemplaren, vom Dreiklang aus Natur, Liebe und Tod. Streicht man einen dieser Topoi, wird es schwierig; streicht man zwei, ist es nicht mehr romantisch; streicht man drei, haben wir es mit schlechtem Regietheater zu tun. Die neue Berliner «Rusalka» kennt weder Natur noch Liebe; sie bietet lediglich Surrogate an. Im...
Es ist nicht leicht, ein Zar zu sein. Vor allem dann nicht, wenn das eigene Volk in einem ziemlich heruntergekommenen Betonschacht mit Kronleuchter lebt. Das mit nahezu identischen blonden Scheitelfrisuren ausgestattete Kollektiv, vom neuen Chordirektor des Nationaltheaters Mannheim, Alistair Lilley, hervorragend einstudiert, lässt sich leicht manipulieren und...
