No Sense

Britten: Death in Venice am Theater Heidelberg

Opernwelt - Logo

Brittens letzte Oper «Death in Venice» ist – wie seine Vorlage, Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» – ein Werk über das Sterben, es fragt nach der Würde oder der fehlenden Würde des Dahingehens. Ein Werk über das Vergreisen ist es jedoch keineswegs. Genau in diese Falle tappt Magdalena Fuchsberger mit ihrer Inszenierung am Theater Heidelberg. Der Dichter Aschenbach ist auf Monika Bieglers Bühne Insasse einer spießigen, auf Holzpfählen stehenden Altersklause mit braun-plüschiger Wohnzimmerecke, Mahagoni-Schrankwand samt eingelassenem Fernseher und Kochecke.

«Casa Rialto» könnte diese Seniorenresidenz des verarmten Dichters heißen. Venedig, zu dem ihn ein unheimlicher Reisender verführt, existiert ohnehin nur in seiner dementen Fantasie. So bevölkert sich die Wohnung mit lemurenhaften Gestalten – Hotelgäste, Angestellte, Gondolieri und Bewohner der imaginierten Lagunenstadt. Ein grünes, blaues und violettes Make-up trägt ihnen den passenden Verwesungs-Teint auf. Hier ist schon alles tot, da braucht es jene ausbrechende Cholera, die Aschenbach dahinraffen wird, erst gar nicht.

Seine Begegnung mit Tadzio, der Verkörperung klassisch-erotischer Knabenschönheit, ist anscheinend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Bernd Künzig

Weitere Beiträge
So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen

Ach, wie einfach wäre die Angelegenheit, würde man sich an das zugegeben kühne Theorem Markus Gabriels halten und behaupten, dass das, was allgemein mit dem Begriff «Welt» umschrieben wird, im Grunde gar nicht existiere. Nun ist es aber leider erstens nicht so, dass man diese Welt, verstanden als Ensemble stofflicher Gegenstände, ignorieren kann, und zum zweiten...

Feministisch

Wer die dritte Aufführung der neuen «Carmen» an der Met erlebte, bekam wahrscheinlich einen besseren Eindruck von den Intentionen der Regisseurin Carrie Cracknell und des Dirigenten Daniele Rustioni als zur Premiere: Piotr Beczała, der vorgesehene Don José, hatte die ersten beiden Aufführungen krankheitsbedingt verpasst. Glaubt man den Kritiken und einer...

(Re-)traumatisiert

Flackerndes Licht überzieht die schwitzenden Körper mit psychedelisch bunten Farben. Ausgelassene junge Menschen recken die Arme zum Himmel und tanzen sich in Ekstase. Doch es gibt keine Musik. Die Szene gleicht einem Handyvideo ohne Ton, das in Slow Motion abgespielt wird. Das Bild beginnt zu ruckeln, Sequenzen springen vor und zurück. Dann erlischt das Licht. Die...