Rasant

Rossini: La Cenerentola am Stadttheater Klagenfurt

Opernwelt - Logo

Wer schön sein will, sagt der Volksmund, muss leiden. Und wer wüsste das besser als Clorinda und Tisbe, die beiden «rechtmäßigen» Töchter Don Magnificos.

Die Ouvertüre zu Rossinis Dramma giocoso zeigt sie bei morgendlichen Gymnastik-Übungen; angeleitet werden die beiden schläfrigen Damen von einem Tanzquartett, das in knappen weißen Trikots überaus gelenkig und mit einigem Sex-Appeal unterstreicht, was Aerobic bewirken kann, wenn man es richtig betreibt (und auch später in wechselnden Rollen, als «Staff» bei der Castingshow, Kellnerinnen-Gruppe und Dämonen-Truppe, erkleckliche Bewegungsenergien beisteuert). Wie zwei Holzpuppen hampeln Tahnee Niboro und Linsey Coppens in ihren Jogginganzügen dem «Geschehen» hinterher – es ist kein besonders attraktives Bild, das sie da abgeben.

Das wird sich auch im Verlauf des Abends, den Bernd Mottl mit Augenzwinkern, Esprit und verspieltem Witz inszeniert hat, kaum ändern. Wo das Talent zur (körperlichen wie geistigen) Flexibilität fehlt, fehlt es eben. Singen können sie allerdings, die beiden Thronanwärterinnen, doch über ihren Charakter würde man lieber höflich schweigen. Während die tapsigen Tussis an ihren Handys kleben, als sei darin das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Drahtseilakt

Der epochale französische Pianist Alfred Cortot fügte in seiner «Studien-Ausgabe» der Chopin-Préludes allen 24 Stücken poetisierend charakteristische Deutungen bei. Er tat dies aus dem Geiste der «schwarzen» Romantik: exaltiert, depressiv, apokalyptisch – abgründig angesiedelt zwischen Berlioz und Baudelaire. So heißt es etwa über das «Regentropfen»-Prélude: «Aber...

Furcht, Zittern und Zucken

Es gehört zum Wesen von Mieczysław Weinbergs Oper «Die Passagierin», dass sie eine Zumutung ist für die Routine des Opernbetriebs. Wer das Stück anschaut, wird sich fragen müssen, ob er einen Satz wie «Du darfst nicht denken, dass ich beteiligt war am Massenmord» oder auch nur das Wort «Auschwitz» in klassischem, also einer traditionellen Ästhetik verpflichtetem...

Väter und traumatisierte Söhne

Wer ein Weltreich regiert, ist mitunter selten zu Hause. Für Philippe II. galt dies im Besonderen, der spanische König tat sich schwer, sein Imperium zusammenzuhalten. Der Aufstand in den Niederlanden machte ihm ebenso zu schaffen wie die verlustreichen Auseinandersetzungen mit England und jener Langzeitkrieg gegen Frankreich, der 1559 schließlich beendet werden...