Rasant

Rossini: La Cenerentola am Stadttheater Klagenfurt

Opernwelt - Logo

Wer schön sein will, sagt der Volksmund, muss leiden. Und wer wüsste das besser als Clorinda und Tisbe, die beiden «rechtmäßigen» Töchter Don Magnificos.

Die Ouvertüre zu Rossinis Dramma giocoso zeigt sie bei morgendlichen Gymnastik-Übungen; angeleitet werden die beiden schläfrigen Damen von einem Tanzquartett, das in knappen weißen Trikots überaus gelenkig und mit einigem Sex-Appeal unterstreicht, was Aerobic bewirken kann, wenn man es richtig betreibt (und auch später in wechselnden Rollen, als «Staff» bei der Castingshow, Kellnerinnen-Gruppe und Dämonen-Truppe, erkleckliche Bewegungsenergien beisteuert). Wie zwei Holzpuppen hampeln Tahnee Niboro und Linsey Coppens in ihren Jogginganzügen dem «Geschehen» hinterher – es ist kein besonders attraktives Bild, das sie da abgeben.

Das wird sich auch im Verlauf des Abends, den Bernd Mottl mit Augenzwinkern, Esprit und verspieltem Witz inszeniert hat, kaum ändern. Wo das Talent zur (körperlichen wie geistigen) Flexibilität fehlt, fehlt es eben. Singen können sie allerdings, die beiden Thronanwärterinnen, doch über ihren Charakter würde man lieber höflich schweigen. Während die tapsigen Tussis an ihren Handys kleben, als sei darin das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Poetik des Widerstands

Als er seine Kirche in ihrer Anpassung an den faschistischen Staat scheitern sah, wagte Dietrich Bonhoeffer, einer jener wenigen Aufrechten, die sich der Gleichschaltung des Glaubens widersetzten, den Widerstand. Schließlich gelte es «nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen». Christentum bedeute Entscheidung,...

Murx den Nazi! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!

Das ganze Leben in nur 90 Minuten? Für Jürg Laederach, den ingeniös-versponnenen Schweizer Schriftsteller, war dies kein Problem. Man musste nur die Zeit richtig einteilen und Worte finden, mit denen sich die Existenz (und deren Brüchigkeit) auch in gedankenscharfen Miniaturen beschreiben ließe. Nachgerade in Vollendung gelang dies dem 2018 verstorbenen...

Ich hab dir immer einen Rosengarten versprochen

Im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert waren Opernaufführungen in Rom verboten. Die amtierenden Päpste sahen im weltlichen Musiktheater Symptome menschlicher Verdorbenheit, die es zu bekämpfen galt. Die römischen Liebhaber und Förderer der Musik wussten sich aber zu helfen und gaben statt Opern Oratorien in Auftrag, die sie nicht in Theatern, sondern in privaten...