Poetik des Widerstands
Als er seine Kirche in ihrer Anpassung an den faschistischen Staat scheitern sah, wagte Dietrich Bonhoeffer, einer jener wenigen Aufrechten, die sich der Gleichschaltung des Glaubens widersetzten, den Widerstand. Schließlich gelte es «nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen». Christentum bedeute Entscheidung, wusste der Theologe bereits 1925 – und meinte damit ganz konkret das diesseitige Hier und Jetzt, in dem sich gleichsam die Mündigkeit des aufgeklärten Christenmenschen beweisen müsse.
Nicht erst im offiziellen Hauptwerk des diesjährigen Festivals der Opéra de Lyon (Verdis «La forza del destino»), sondern just in der erstmals als gleichwertigem Trilogie-Teil aufgenommenen Kinderoper wurde nun der alle Ängste, Krisen und Untergangsszenarien trotzig überwindende Zukunftsglaube mit einem Staunen machenden Mut zum Thema.
Diana Sohs «L’Avenir nous le dira» ist keines jener «gut gemeinten» Werke, die in Wahrheit doch eher unterkomplexe Projekte zur Gewinnung eines jüngeren Publikums sind. Sondern eine ausgewachsene, anspruchsvolle, dramaturgisch kluge Oper von Kindern für Kinder und solche Menschen, die das Kind in sich auch ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Peter Krause
Von dem französischen Maler und Graphiker Pierre Soulages ist ein Satz überliefert, der in knapp-konzisen Worten das Selbstverständnis eines Künstlers beschreibt: «Es ist das, was ich mache, was mich lehrt, wonach ich suche.» Auch für Pascal Dusapin besitzt diese sublime Sentenz Gültigkeit; kaum zufällig stellte er sie seinem Essay «Das Empfindsame komponieren»...
Die Libretti der berühmtesten Opern Giacomo Puccinis werden häufig unterschätzt. Dabei sind die Szenen präzise, und die Musik folgt jeder Nuance. Etwa wenn Toscas Besänftigung wieder in die nächste Eifersuchtsattacke umkippt; wenn Mario Cavaradossi nicht ganz bei der Sache ist, sondern eine Spur abgelenkt; wenn Scarpia es sich in seiner abgrundtiefen Schlechtigkeit...
Nein, die blaue Libelle fliegt hier nirgendwo hin. Wie auch, wo sie keine Flügel hat und weit und breit kein Gewässer zu sehen ist, stattdessen aber eine schäbige, mit Kritzeleien beschmierte Häuserfront im Dämmerlicht. An der lehnt, allein, einsam und nervös rauchend, die hinzuerfundene Mutter der Füchsin. Augenblicklich wird klar, die «Libelle» (Alessia Aurora...
