Rachedurst und Liebeslust
Glückliches Frankreich! Nicht nur haben seine Ensembles, Sängerinnen und Sänger längst die Führungsrolle der historisch informierten Aufführungspraxis übernommen. Mit dem «Centre de musique baroque de Versailles» besitzt das Land zudem eine Institution, die vergessene Schätze der Barockmusik ausgräbt. Jüngste Wiederentdeckung ist die Tragédie en musique «Médée et Jason» von Joseph-François Salomon. Der Komponist verbrachte sein ganzes Leben als Gambist am Versailler Hof und spielte regelmäßig im Orchester der Pariser Académie Royale de Musique.
Salomon und sein Librettist, der Dramatiker Simon-Joseph Pellegrin, waren nicht die Ersten, die den Medea-Stoff 1713 auf die französische Bühne brachten. Schon in Lullys «Thésée» (1675) treibt die dämonische Zauberin ihr Unwesen, und in Charpentiers «Médée» von 1693 beherrscht sie die Szene.
Salomon und Pellegrin, die gewiss Charpentiers die Zeitgenossen verstörendes, kompromisslos düsteres Stück und sein Schicksal kannten, schlugen einen anderen Weg ein. Während bei Charpentier neben Médée alle übrigen Figuren verblassen, nehmen sie Jason, seine neue Braut Créuse und deren Vater Créon ernst. Aus dem Rachedrama der verlassenen Frau wird ein ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 36
von Uwe Schweikert
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