Frühlingserwachen

Nach Jahren der Krise scheint sich der Florentiner «Maggio Musicale» gefangen zu haben. Die Blicke gehen wieder Richtung Zukunft

Opernwelt - Logo

Es war einmal ein großes Musikfestival in Florenz, eines der ältesten Europas – dann kam der Niedergang. Die Geschichte des «Maggio Musicale Fiorentino» begann 1933 mit einer Vision: Der Dirigent Vittorio Gui wollte ein Mai-Festival schaffen, das sich bewusst von der Routine des Repertoires absetzte und Oper als Gesamtkunstwerk erneuerte. Der Termin im Mai ist dabei kein Zufall, sondern knüpft an die florentinische Tradition des Calendimaggio an, jenes Frühlingsfestes, das seit dem Mittelalter den Aufbruch der Natur und der Künste feiert.

Während sich Venedig mit dem 1930 gegründeten Festival für zeitgenössische Musik bei der «Biennale» auf die Gegenwartsmusik fokussierte, setzte Florenz auf die Tradition der Bildkünste. Fortan wurden die Opernproduktionen zu Laboratorien interdisziplinärer Zusammenarbeit: Künstler wie Giorgio de Chirico, Felice Casorati, Alberto Savinio, Gino Severini, Mario Sironi oder Renato Guttuso prägten mit ihren Bildwelten das Erscheinungsbild der Bühne nachhaltig. Seit zwei Jahren nun, mit der Übernahme der Leitung durch Carlo Fuortes, einem der erfahrensten Opernmanager Italiens, wird ein behutsamer, aber entschlossener Neuanfang versucht. Nach einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Stefano Nardelli

Weitere Beiträge
Alles ist aus

In seiner Suche nach der Wirklichkeit hinter den begrifflichen Urteilen hat der irische Autor Samuel Beckett den Ort zu einer abstrakten Größe gemacht. Ob Wladimir und Estragon in «Warten auf Godot» an einer Landstraße auf Fortsetzung warten oder Hamm und Clov in «Fin de partie» in einem geschlossenen Raum auf ein Ende, das vielleicht sogar eines sein könnte: Ist...

Arbeit am Mythos

Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire...

Was kommt/Impressum Opernwelt 6/46

Kreativgeist
Ihr erstes Bühnenwerk war 2017 ein Puppenmusiktheater für Kinder. In «Žabica Kraljica» (Die Froschkönigin) verwob Sara Glojnarić geschickt die menschliche Stimme mit dem zauberischen Spiel der Holzpuppen. Im Musiktheater «Station Paradiso», einem Roadtrip heraus aus dem Ländle, geht es der Komponistin nun um die Sehnsucht nach dem Zuhause. Uraufgeführt...