Alles ist aus
In seiner Suche nach der Wirklichkeit hinter den begrifflichen Urteilen hat der irische Autor Samuel Beckett den Ort zu einer abstrakten Größe gemacht. Ob Wladimir und Estragon in «Warten auf Godot» an einer Landstraße auf Fortsetzung warten oder Hamm und Clov in «Fin de partie» in einem geschlossenen Raum auf ein Ende, das vielleicht sogar eines sein könnte: Ist es wirklich von Relevanz? Der ungarische Regisseur David Marton scheint jedenfalls der Auffassung zu sein, dass das Offene ebenso zur geschlossenen Anstalt werden kann.
In seiner Inszenierung von Kurtágs Beckett-Oper «Fin de partie» am Theater Basel verlässt er den Raum – aber was heißt das schon? Ausstatter Márton Ágh verlegt die Szenerie auf eine verwinkelte Dachterrasse, konturiert von stillosen Bauten und Bauruinen sowie unzähligen Geländern. Dahinter geht’s in eine unbekannte Tiefe, und noch weiter dahinter ist die Silhouette einer verelendeten Mega-City zu erkennen, im dunklen Dunst oder Nebel, mal mehr, mal ein bisschen weniger. «Alles ist aus», sagt Diener Clov, wenn er von dort das andere Draußen beobachtet. Kann es noch etwas Trostloseres geben, als wenn sich Hoffnungslosigkeit über alle Räume, und damit auch die ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Alexander Dick
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