Alles ist aus

David Marton inszeniert am Theater Basel die Schweizer Erstaufführung von György Kurtágs Musiktheater «Fin de partie», Gábor Káli spürt die Subtilitäten der Partitur auf

Opernwelt - Logo

In seiner Suche nach der Wirklichkeit hinter den begrifflichen Urteilen hat der irische Autor Samuel Beckett den Ort zu einer abstrakten Größe gemacht. Ob Wladimir und Estragon in «Warten auf Godot» an einer Landstraße auf Fortsetzung warten oder Hamm und Clov in «Fin de partie» in einem geschlossenen Raum auf ein Ende, das vielleicht sogar eines sein könnte: Ist es wirklich von Relevanz? Der ungarische Regisseur David Marton scheint jedenfalls der Auffassung zu sein, dass das Offene ebenso zur geschlossenen Anstalt werden kann.

In seiner Inszenierung von Kurtágs Beckett-Oper «Fin de partie» am Theater Basel verlässt er den Raum – aber was heißt das schon? Ausstatter Márton Ágh verlegt die Szenerie auf eine verwinkelte Dachterrasse, konturiert von stillosen Bauten und Bauruinen sowie unzähligen Geländern. Dahinter geht’s in eine unbekannte Tiefe, und noch weiter dahinter ist die Silhouette einer verelendeten Mega-City zu erkennen, im dunklen Dunst oder Nebel, mal mehr, mal ein bisschen weniger. «Alles ist aus», sagt Diener Clov, wenn er von dort das andere Draußen beobachtet. Kann es noch etwas Trostloseres geben, als wenn sich Hoffnungslosigkeit über alle Räume, und damit auch die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Neuer Zauber, neue Poesie

Im Rahmen eines von Philippe Quesne kuratierten Theaterfestivals in Toulouse habe ich eine Laterna-magica-Vorführung zum Thema «Phantasmagorie» erlebt – in Zeiten von 3D, IMAX, VR und anderen Errungenschaften des technologischen Fortschritts hat mich das Analoge an diesem Vorreiter des Kinos total fasziniert. Als Erfindung des 17. Jahrhunderts wurde die Laterna...

Flieg, Vogel, flieg!

Die Natur, das substanziell Reale, dessen Kraft Jacques Lacan einmal so idiosynkratisch wie poetologisch «den großen Anderen» nannte, den «Kompass unserer gesamten Existenz», sie ist abwesend an diesem Abend. Weder fließt die Wolga durchs Dorf, noch leuchten Sonne, Mond und Sterne; ja, nicht einmal der Himmel über Kalinów ist zu sehen. Fast wähnt man sich, nicht...

Spielpläne 6/26

ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung

DEUTSCHLAND

Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de 
- Obermüller/Gilbert, Malina: 6., 25.
- Puccini, Suor Angelica: 7. (P) ML: Handschuh, I: Bartsch - Tschaikowsky, Eugen Onegin: 14.
- Bartók, Herzog Blaubarts Burg: 21. (P), 28. ML: Ward -...