Alles ist aus
In seiner Suche nach der Wirklichkeit hinter den begrifflichen Urteilen hat der irische Autor Samuel Beckett den Ort zu einer abstrakten Größe gemacht. Ob Wladimir und Estragon in «Warten auf Godot» an einer Landstraße auf Fortsetzung warten oder Hamm und Clov in «Fin de partie» in einem geschlossenen Raum auf ein Ende, das vielleicht sogar eines sein könnte: Ist es wirklich von Relevanz? Der ungarische Regisseur David Marton scheint jedenfalls der Auffassung zu sein, dass das Offene ebenso zur geschlossenen Anstalt werden kann.
In seiner Inszenierung von Kurtágs Beckett-Oper «Fin de partie» am Theater Basel verlässt er den Raum – aber was heißt das schon? Ausstatter Márton Ágh verlegt die Szenerie auf eine verwinkelte Dachterrasse, konturiert von stillosen Bauten und Bauruinen sowie unzähligen Geländern. Dahinter geht’s in eine unbekannte Tiefe, und noch weiter dahinter ist die Silhouette einer verelendeten Mega-City zu erkennen, im dunklen Dunst oder Nebel, mal mehr, mal ein bisschen weniger. «Alles ist aus», sagt Diener Clov, wenn er von dort das andere Draußen beobachtet. Kann es noch etwas Trostloseres geben, als wenn sich Hoffnungslosigkeit über alle Räume, und damit auch die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Alexander Dick
Eine «sachliche» Oper? Nur zu gern würde man es glauben. Doch allein jene tieftraurige Novelle, die Hindemiths «Cardillac», der seit 100 Jahren mehr oder weniger heimatlos geblieben ist, zugrunde liegt, öffnet die Türen zu einer anderen, ganz und gar phantastischen Realität. Mag der Librettist Ferdinand Lion auch an wesentlichen Stellschrauben von E. T. A....
Komponierende Herrscher wie beispielsweise der deutsche Kaiser Leopold I. oder der kriegs- wie kunstlustige Preußenkönig Friedrich II. waren partout keine Ausnahmen. Locker übertroffen aber werden beide Potentaten von Philippe d’Orléans (1674–1723), dem Neffen Ludwigs XIV., dessen Oper «Suite d’Armide ou Jérusalem délivree» das Centre de musique baroque de...
Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire...
