Pure Poesie

Tschaikowsky: Eugen Onegin am Tiroler Landestheater Innsbruck

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Ein paar Zentimeter sind es nur, aber in diesem Moment, beim letzten Zusammentreffen von Tatjana und Onegin, fühlt es sich an wie ein Theatercoup. Ein Bühnenrechteck mit beiden fährt nur eine Handbreite nach oben, hier aber macht das den Eindruck einer Himmelfahrt. Solch eine Detailwirkung kann es nur geben, wenn eine Aufführung mit extremer Ökonomie der szenischen Mittel arbeitet. Und wenn sie, wie auf dieser weißen, weiten Bühne, Denkräume eröffnet, Möglichkeiten andeutet, Unausgesprochenes zulässt und Eindeutigkeit vermeidet.

Naturalismus und Historisierendes gestattet Regisseurin Eva-Maria Höckmayr nur als vorsichtige szenische Würze. Wie Zitate aus dem 19. Jahrhundert begegnen sich ihre Figuren im «Eugen Onegin». Ein Abend der stillen Zeichenhaftigkeit entwickelt sich am Tiroler Landestheater. Auch einer der kühlen Suggestivkraft und der feingliedrigen Regie. Tschaikowskys Realismus (und der seines Vorlagedichters Puschkin) teilt sich dadurch umso schonungsloser mit. Ausstatterin Julia Rösler hat nur ein paar verschiebbare Wände konstruiert. Die verengen sich, werden manchmal von den Personen selbst verschoben, als müssten sie um Freiräume kämpfen – oder sich schützen in ...

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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Markus Thiel

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