Pure Poesie
Ein paar Zentimeter sind es nur, aber in diesem Moment, beim letzten Zusammentreffen von Tatjana und Onegin, fühlt es sich an wie ein Theatercoup. Ein Bühnenrechteck mit beiden fährt nur eine Handbreite nach oben, hier aber macht das den Eindruck einer Himmelfahrt. Solch eine Detailwirkung kann es nur geben, wenn eine Aufführung mit extremer Ökonomie der szenischen Mittel arbeitet. Und wenn sie, wie auf dieser weißen, weiten Bühne, Denkräume eröffnet, Möglichkeiten andeutet, Unausgesprochenes zulässt und Eindeutigkeit vermeidet.
Naturalismus und Historisierendes gestattet Regisseurin Eva-Maria Höckmayr nur als vorsichtige szenische Würze. Wie Zitate aus dem 19. Jahrhundert begegnen sich ihre Figuren im «Eugen Onegin». Ein Abend der stillen Zeichenhaftigkeit entwickelt sich am Tiroler Landestheater. Auch einer der kühlen Suggestivkraft und der feingliedrigen Regie. Tschaikowskys Realismus (und der seines Vorlagedichters Puschkin) teilt sich dadurch umso schonungsloser mit. Ausstatterin Julia Rösler hat nur ein paar verschiebbare Wände konstruiert. Die verengen sich, werden manchmal von den Personen selbst verschoben, als müssten sie um Freiräume kämpfen – oder sich schützen in ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Markus Thiel
Im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert waren Opernaufführungen in Rom verboten. Die amtierenden Päpste sahen im weltlichen Musiktheater Symptome menschlicher Verdorbenheit, die es zu bekämpfen galt. Die römischen Liebhaber und Förderer der Musik wussten sich aber zu helfen und gaben statt Opern Oratorien in Auftrag, die sie nicht in Theatern, sondern in privaten...
Was könnte für das Moskauer Publikum, das seit drei Jahren gezwungen ist, seine Emotionen in der Öffentlichkeit zu unterdrücken, besser sein als eine veristische Oper mit einem inbrünstigen Dichter im Mittelpunkt?
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Die «Così»-Phase hat man am Münchner Prinzregentenplatz schon lange hinter sich gelassen. Heißt: die Einstudierung von Hits, damit sich der Nachwuchs früh Repertoire draufschafft als Rüstzeug für spätere Engagements. Dies bedeutet aber auch: Wer an der Theaterakademie August Everding bei einem Opernprojekt auf der Bühne steht, kann normalerweise seine mühsam...
