Im Hochland
Seit «Tiefland» befand sich Eugen d’Albert in Hochstimmung. Die Oper feierte landauf, landab Erfolge, die ihm kaum weniger wichtig waren als seine Erfolge bei Frauen. Jede Hochzeit steigerte im Freundeskreis die spöttische Bewunderung, und am Ende wusste niemand mehr, ob der englisch-französische Deutsche mittlerweile die fünfte oder sechste Ehe führte, was einen Witzbold zu der Warnung veranlasste: «Vorsicht, d’Albert, die Neunte ist mit Chor!» So weit brachte es der Komponist nun doch nicht, aber er zeugte immerhin seinen eigenen, achtköpfigen Kinderchor.
Die Zahl seiner Opern nimmt sich ebenfalls stattlich aus; von den 20 vollendeten Bühnenwerken wurden 19 zu Lebzeiten uraufgeführt. «Tiefland» (1903) behauptete sich lange Zeit im Repertoire; «Die Abreise» (1898) und «Die toten Augen» (1913) gingen ebenfalls über verschiedene europäische Bühnen; sie liegen jeweils in zwei prominent besetzten Einspielungen vor. Das Theater Gera-Altenburg holt jetzt «Die toten Augen» ins Rampenlicht zurück und macht nicht nur die blinde Myrtocle sehend. Wobei wir allerdings, im Gegensatz zur bedauerlichen Korintherin, nicht an der Hellsichtigkeit zugrunde gehen. Aber unsere Ambivalenztoleranz wird ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Volker Tarnow
Dass sich eine Karotte zum Herrscher über ein ganzes Reich ausrufen lässt und dank eines bösen Zaubers so lange (leider auch miserabel) herrscht, bis sie, nun ja, welk wird: So eine Idee ist nicht untypisch für die satirische Bühnenwelt Jacques Offenbachs und seiner Librettisten. Dennoch gehört «Le Roi Carotte», vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1869 begonnen,...
Zwei Königinnen. Durch beider Adern fließt, wiewohl in unterschiedlicher Konsistenz, kobaltblaues Tudor-Blut, mithin der uneingeschränkte Wille zur Macht. Viel mehr als diese Neigung aber verbindet die Frauen nicht. Weder der Glaube (sei es der an Gott, den Allmächtigen, ans Leben selbst oder an die Liebe) noch die Weltanschauung. Maria Stuart, Schottlands...
Was könnte für das Moskauer Publikum, das seit drei Jahren gezwungen ist, seine Emotionen in der Öffentlichkeit zu unterdrücken, besser sein als eine veristische Oper mit einem inbrünstigen Dichter im Mittelpunkt?
Auf der Bühne erscheint jedenfalls ein Andrea Chénier mit Leidenschaft und Nachdruck – Najmiddin Mavlyanov übertrifft sich in der Titelrolle von...
