Überwältigende Vielfalt

Buch des Monats: Christoph Türcke unternimmt in seiner «Philosophie der Musik» eine weite Reise — von den Ursprüngen über geistliche und weltliche Erscheinungsmuster bis hin zum Rap

Opernwelt - Logo

Darüber, was Musik sein könnte, gingen die Meinungen schon immer auseinander. Mag sie ihrem Ursprung nach, als «mousiké», Musenkunst gewesen sein, differieren die Definitionen je nach Zeit, Perspektive und Autor. Für Schönberg bedeutete Musik eine Form mystischer Konsonanz mit dem Weltall, für den Experimentalpsychologen Steven Pinker ist sie kaum mehr als «akustischer Käsekuchen» – zwar ein hochrangiges Genussobjekt, aber «nicht auf das Erreichen eines Ziels ausgerichtet».

Helmut Lachenmann sieht Musik als zunehmend «meteorologisches Phänomen», dies im Gegensatz zum romantisch-revolutionären Mystiker Richard Wagner, der in ihr die «höchste, erlösendste Kunst» entdecken wollte, damit nicht so weit entfernt von der Definition des Platonikers Boethius: Musik, so dekretierte dieser, sei ein kosmisches Emanationsgeschehen, das von der musica mundana über die musica humana zur musica instrumentalis hinabfließe. Wehe dem, der das bezweifelt!

Christoph Türcke hält sich bedeckter: Authentische Musik, schreibt er in bester aristotelischer Manier, sei «Erschütterungskultur, die bis ins Subakustische hinabreicht. Wo sie wirklich rührt, rührt sie auch an den Gleichgewichtssinn, der große ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 41
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Murx den Nazi! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!

Das ganze Leben in nur 90 Minuten? Für Jürg Laederach, den ingeniös-versponnenen Schweizer Schriftsteller, war dies kein Problem. Man musste nur die Zeit richtig einteilen und Worte finden, mit denen sich die Existenz (und deren Brüchigkeit) auch in gedankenscharfen Miniaturen beschreiben ließe. Nachgerade in Vollendung gelang dies dem 2018 verstorbenen...

Lauter Liebesträume

Leere Quinten, das wissen wir aus dem letzten Lied von Schuberts «Winterreise», verheißen wenig Gutes. Unheil naht, nicht selten der Tod. So ist es auch zu Beginn des vierten Akts von Verdis «Otello». Desdemona schleicht, von Emilias Frage «Era più calmo?» nur vage berührt, wie somnambul durch ihr Schlafgemach, und kaum hat das Englischhorn seinen elegischen Gesang...

Tanz der sieben Buchstaben

Für seine Vertonung des Schauspiels von Oscar Wilde verzichtet Gerald Barry auf einen Höhepunkt des vom Plot aus dem Markus-Evangelium zur Sexphantasie für Oper, Literatur und Film gewordenen Narrativs über Salome. In der Textbuch-Einrichtung des irischen Komponisten singen alle Figuren in englischer Übersetzung, nur der am Ende geköpfte Prophet tut es in Wildes...