Puppentheater
Strawinskys einzige abendfüllende Oper mit dem furchterregenden Untertitel «Werdegang eines Wüstlings» basiert auf der gleichnamigen Bilderserie von William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert. Deren unerhörter Erfolg mag gerade auch durch die Abwesenheit von höheren Mächten begründet sein. Zwei maßvoll fromme englische Librettisten hatten dann anscheinend riesiges Vergnügen daran, eine verführerische Teufelsfigur ein -zubauen, wo vorher bereits die allgemeine Schlechtigkeit der Menschen, namentlich des Titelhelden, als Motor ausreichte.
Wystan Hugh Auden und Chester Kallman gaben dem Geschehen auch sonst manche Anspielung auf Himmel und Hölle. Eine künstlerische, keine moralische Entscheidung.
Mephistophelische Figuren aber stehen einem Bühnenwerk gut. So ist es nun ein gewisser Nick Shadow, der Reichtum gegen Seele anbietet. Tunichtgut Tom Rakewell bringt sein Vermögen dennoch zweimal durch, landet im Schuldturm und schließlich im Irrenhaus. Auch dem Komponisten lag dieses Zurückdrehen ins Faustische und Mysterienspielhafte. Er plante «The Rake’s Progress», 1951 in Venedig uraufgeführt, mit Cembalo für die Rezitative und klassischer Nummernabfolge – jedenfalls spielte er damit, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Judith von Sternburg
Uraufgeführt wurde Gabriela Lena Franks bewundernswertes Werk «El Último Sueño de Frida y Diego» (Der letzte Traum von Frida und Diego) 2022. In Lorena Mazas farbenfroher, visuell mitreißender Inszenierung war das Stück in drei kalifornischen Städten und in Chicago zu sehen. Nun durch Deborah Colker die Neuinszenierung an der Met.
Auch wenn Nilo Cruz’ zuweilen...
Am 5. Oktober 1763, auf den Tag genau ein Jahr nach Glucks Reformoper «Orfeo ed Euridice», hatte Tommaso Traettas «Ifigenia in Tauride» in Wien Premiere – allerdings nicht im Burgtheater, sondern in Schloss Schönbrunn. Traetta war unter den Italienern neben dem seit 1754 als Hofkapellmeister in Stuttgart wirkenden Niccolò Jommelli noch vor Gluck der Erste, der...
Zum Stichwort «Rasender Roland» befragt, empfiehlt das Internet eine auf Rügen verkehrende, schmalspurige (760 Millimeter) Dampfbahn - derweil es über den in Liebestollheit sich verausgabenden Ritter aus Ariosts Feder vergleichsweise knapp informiert. Der hier apostrophierte Gefolgsmann Karls des Großen fährt indes auf Geleisen verlorenen Liebesglücks: Er glaubt an...
