Pünktliche Post
Als man Chemnitz zur europäischen Kulturhauptstadt kürte, war Verwunderung noch die harmloseste Reaktion. Chemnitz? Warum nicht gleich Senftenberg oder Prenzlau?! Aber Sachsens dritte Stadt präsentierte vergangenes Jahr seine schönsten, auch unbekannten Seiten und fand Anerkennung sogar in der überregionalen Presse, nicht zuletzt dank des Einsatzes seiner Bürger.
Am Einsatz des Stadtrates hingegen wurde zunehmend Kritik laut; dort wälzt man Pläne, Schauspielhaus und Opernhaus zusammenzulegen, weil die Sanierung des Theatergebäudes, ein denkmalgeschützter Betonklotz aus den 1970er-Jahren, nicht finanzierbar erscheint. Zwei Tage vor der «Vogelhändler»-Premiere bewilligte der Stadtrat ein Sondervermögen in Höhe von 40 Millionen, über dessen Verwendung noch entschieden werden muss.
An der Oper herrscht trotzdem helle Empörung, und Adam alias David Sitka darf im dritten Akt behaupten «Chemnitz verliert seinen Glanz für die Bilanz», wird dann jedoch von Carl Zellers Stimme aus dem Off ermahnt und kehrt zum Originaltext zurück. Die Abweichung hat hier sowieso System. Adam beginnt gleich mit «Der Vogelfänger bin ich ja» und muss von Irmi korrigiert werden, man befinde sich nicht in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Volker Tarnow
Ein kompakter Quader mit großen gläsernen Fensterfronten, daneben ein gedrungener Ziegelbau, an dem sich eine wacklig wirkende Feuertreppe herabschlängelt – so könnten auch ein in die Jahre gekommenes Schwimmbad oder ein Einwohnermeldeamt aussehen. Höchstens das rot getünchte Stück Weg, das über den zementierten Vorplatz zum Haupteingang führt und mit ausreichend...
Anders als in anderen Ländern Europas verbringt der aufrechte französische Opernfan selbst den Heiligen Abend gern im Opernhaus oder Konzertsaal. Ob allerdings auch Napoleon ein solcher Aficionado war, als er beschloss, am 24. Dezember 1800 der französischen Erstaufführung von Haydns «Schöpfung» (alias «La Création du monde») in der Pariser Oper beizuwohnen, darf...
Aus diesen Mauern gibt es kein Entkommen. In Àlex Ollés Inszenierung von Wolfgang Fortners «Bluthochzeit» blickt man in ein steinernes Verlies. Die hohen Wände reichen fast bis an den Schnürboden heran. Unten sitzen Mutter und Sohn an einer langen Tafel. Genügend Platz für eine große Familie, doch die beiden leben allein wie in einer Gruft.
Die Oper beruht auf dem...
