Puccini: Madama Butterfly
Giacomo Puccinis «Madama Butterfly» war immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, mehr Kitsch und Operette als große Oper zu bieten. Die Nürnberger Neuproduktion räumt gründlich mit dieser Fehlinterpretation auf – und zwar szenisch wie musikalisch. Dass die Premiere mit der zweiten Amtseinführung von George W. Bush zusammenfiel, war sicher ein Zufall, aber tatsächlich wirkte der Abend fast wie ein Kommentar auf dessen Rede.
Regisseurin Kerstin Maria Pöhler hat deutlich herausgefiltert, was die Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Kulturen ausmacht: Auf der einen Seite wird die Überheblichkeit und Gedankenlosigkeit der amerikanischen Besatzer akzentuiert, auf der anderen wird verständlicher, warum die junge Geisha sich dem fremden Marine-Offizier mit solcher Ausschließlichkeit hingibt. Der kolonialistische Machtanspruch manifestiert sich im Großen wie im Kleinen (Ausstattung: Frank Fellmann), die zeitliche Einordnung um 1950 ist unübersehbar am Kühlschrank und der Kleidung abzulesen. Von Kirschblüten keine Spur. Stattdessen sind es Papierschiffe und die immer zahlreicher am Horizont aufscheinenden Freiheitsstatuen, die die unerschütterliche Sehnsuchtsspur der Titelfigur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es hätte der Eröffnungspaukenschlag werden können für das neue Opernhaus in Kopenhagen: eine «Elektra» inszeniert von Peter Konwitschny. Man könnte kaum deutlicher internationale Ambitionen demonstrieren. Der deutsche Stargast hielt, was sein Name verspricht. Er reißt nicht nur mit sezierendem Blick eine szenische Fallhöhe vom Archaischen ins Alltägliche auf,...
Es begann hübsch: mit einer großen Schneekugel, die auf der einen Seite mittelalterliche Fassaden und Spitzweg-Gestalten im Schlafrock beim Unkrautjäten zeigt (während sie vom Waffenschmieden singen), auf der anderen die zur revolutionären Zelle mutierte Biedermeierstube von Vater Stadinger (Holger Ohlmann). Doch dann wird’s immer opulenter und bunter (mit vielen...
Erstaunlich lange hat Berlin auf Claudio Monteverdi warten müssen. Während der legendäre Zürcher Zyklus von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle an fast allen Opernhäusern Europas als Initialzündung für eine Auseinandersetzung mit den Bühnenwerken Monteverdis in historisierendem Klangbild wirkte, ging diese Welle sowohl an der geteilten wie an der...
