Puccini: Madama Butterfly

Nürnberg

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Giacomo Puccinis «Madama Butter­fly» war immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, mehr Kitsch und Operette als gro­ße Oper zu bieten. Die Nürnberger Neuproduktion räumt gründlich mit dieser Fehlinterpreta­tion auf – und zwar szenisch wie musikalisch. Dass die Premiere mit der zweiten Amts­einführung von George W. Bush zusammenfiel, war sicher ein Zufall, aber tatsächlich wirkte der Abend fast wie ein Kommentar auf dessen Rede.

Regisseurin Kerstin Maria Pöhler hat deutlich herausgefiltert, was die Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Kulturen ausmacht: Auf der einen Seite wird die Überheblichkeit und Gedankenlosigkeit der amerikanischen Besatzer akzentuiert, auf der anderen wird verständlicher, warum die junge Geisha sich dem fremden Marine-Offizier mit solcher Ausschließlichkeit hingibt. Der kolonialistische Machtanspruch mani­festiert sich im Großen wie im Kleinen (Aus­­stattung: Frank Fellmann), die zeitliche Einordnung um 1950 ist unübersehbar am Kühlschrank und der Kleidung abzulesen. Von Kirschblüten keine Spur. Stattdessen sind es Papierschiffe und die immer zahlreicher am Horizont aufscheinenden Freiheitsstatuen, die die unerschütterliche Sehnsuchtsspur der Titel­figur ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 52
von Monika Beer

Vergriffen
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