Puccini: Madama Butterfly
Giacomo Puccinis «Madama Butterfly» war immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, mehr Kitsch und Operette als große Oper zu bieten. Die Nürnberger Neuproduktion räumt gründlich mit dieser Fehlinterpretation auf – und zwar szenisch wie musikalisch. Dass die Premiere mit der zweiten Amtseinführung von George W. Bush zusammenfiel, war sicher ein Zufall, aber tatsächlich wirkte der Abend fast wie ein Kommentar auf dessen Rede.
Regisseurin Kerstin Maria Pöhler hat deutlich herausgefiltert, was die Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Kulturen ausmacht: Auf der einen Seite wird die Überheblichkeit und Gedankenlosigkeit der amerikanischen Besatzer akzentuiert, auf der anderen wird verständlicher, warum die junge Geisha sich dem fremden Marine-Offizier mit solcher Ausschließlichkeit hingibt. Der kolonialistische Machtanspruch manifestiert sich im Großen wie im Kleinen (Ausstattung: Frank Fellmann), die zeitliche Einordnung um 1950 ist unübersehbar am Kühlschrank und der Kleidung abzulesen. Von Kirschblüten keine Spur. Stattdessen sind es Papierschiffe und die immer zahlreicher am Horizont aufscheinenden Freiheitsstatuen, die die unerschütterliche Sehnsuchtsspur der Titelfigur ...
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Es hätte der Eröffnungspaukenschlag werden können für das neue Opernhaus in Kopenhagen: eine «Elektra» inszeniert von Peter Konwitschny. Man könnte kaum deutlicher internationale Ambitionen demonstrieren. Der deutsche Stargast hielt, was sein Name verspricht. Er reißt nicht nur mit sezierendem Blick eine szenische Fallhöhe vom Archaischen ins Alltägliche auf,...
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Im Sommer hat das Haus Kettenbrückengasse Nr. 6, in dem Franz Schubert 1828 verstorben war und wo er davor unter anderem an der «Winterreise» gearbeitet hatte, etwas spitzweghaft Romantisches, atmet das Flair eines «alten Wien» aus dem Bilderbuch. Im Winter nun ist alles grau. Krähen sind auch da. Zwar werfen sie keine «Bäll’ und Schloßen» auf meinen Hut, doch der...
