Nie war Theater so kostbar wie heute
Herr Pflegerl, der moderne Zubau des Klagenfurter Theaters sieht in abendlicher Beleuchtung aus wie das Heck des Traumschiffs, wenngleich Ihnen als Kapitän keineswegs nach Vergnügungsfahrt zumute sein dürfte.
Es ist knapp vor der Hafeneinfahrt. Nach dem letzten Coup unserer unnachahmlichen Kulturpolitik bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als mit dem Ablauf meines Vertrags im Jahr 2007 zu gehen.
Wenn man das Budget eines erfolgreichen Theaters nicht nur einfriert, sondern ihm die erwirtschafteten Rücklagen kurzerhand wegnimmt, ist das ein so brutaler Akt, dass ich als Leiter dieser Institution gerade zwangsverpflichtet bin, darauf mit einer finalen Abgrenzung zu reagieren. Der Landeshauptmann Jörg Haider und sein Klon Mario Canori (der freiheitliche Kulturstadtrat in Klagenfurt, Red.) schwingen seit Jahren die Subventionskeule, um uns botmäßig zu machen. So betrachte ich diese Maßnahme als eine Bestrafungsaktion, weil ich nicht bereit bin, zum Kumpanen einer Kulturpolitik zu werden, die darauf abzielt, das Theater zu gängeln.
Bestrafung? Sie haben doch eine der höchsten Auslastungen der Bühnen im deutschsprachigen Raum.
Wir sind definitiv für unseren Erfolg bestraft worden. ...
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