Der Schritt vom Wege

Für Entdeckungen ist Maria Bayo immer zu haben. ­Derzeit gastiert sie in Hasses «Cleofide» an der Dresdner Semperoper, das Genre der spanischen Barock-Zarzuela hat sie wieder entdeckt und mit ihrer Aufnahme von Traëttas «Antigona» Furore gemacht. Doch das Repertoire der spanischen Sopranistin reicht von Cavalli bis zu Debussy, Puccini und Halffter. Mit seltener Offenheit spricht sie über Mechanismen des Sängermarktes, über den Verfall von Qualität und den Spaß am Forschen.

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Sie begann als keusche Nymphe im Gefolge der Göttin Diana. Jupiter war abendfüllend hinter ihr her, was seine Gattin in Rage brachte: Die Nymphe wurde zur Strafe in eine Bärin verwandelt. Doch mit so kleinlicher Rache wurde Jupiter schnell fertig. Er holte die Bärin nach ihrem Tod in den Himmel und ließ sie dort als Sternbild prangen. So endete Calisto unsterblich in der Pracht des Firmaments. Keine schlechte Karriere.

Der ganze Weltentwurf der Liebeskunst war platziert unter einer blau-goldenen Himmelskarte, die Regisseur und Ausstatter Herbert Wernicke als Deckenfresko in einem italienischen Palazzo entdeckt hatte. Lauten, Orgel, Zinken, Dulzian und Blockflöten gaben den Ton an. Es war die von René Jacobs meisterlich vorbereitete Wiederentde­ckung eines Barockkomponisten, an dessen Unsterblichkeit nur wenige geglaubt hatten: Francesco Cavalli. In Brüssel wurden die vier Sternstunden unter den Sternbildern zuerst gefeiert, dann in ganz Europa, auch an der Ber­liner Staatsoper.  
Es war Maria Bayos Durchbruch. Sie spielte die kleine, keusche Nymphe Ca­lis­to und hatte doch Bärenkräfte in der Stimme, so dass eigentlich gar kein anderes Tier für die Verwandlung in Frage kam. Kaum ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Porträt, Seite 40
von Stephan Mösch

Vergriffen
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